Fragen bei Erstwohnsitzbindung in „Neu-Breitenbach“ weiter offen

Der über die nächsten Jahre neu entstehende Ortsteil „Neu-Breitenbach“ – auf dem bisherigen Gewerbegebiet Fichtner – war am Ende der jahrelangen Abstimmungen am Dienstag in wenigen Minuten vom Marktgemeinderat mit demokratischer Mehrheit endgültig abgesegnet: mit 15 Stimmen gegen drei dagegen, bei zwei Enthaltungen wegen Beteiligung nach Bayerischer Gemeindeordnung wurde die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Die seit 2014 zentrale Diskussion im Gremium für eine von der Gemeinde getragene Bauleitplanung zur Umwandlung von Gewerbe- in Wohnbebauung bestand in der erst geforderten 100%-igen Erstwohnsitzbindung. Der erzielte Kompromiss von 75% war schlußendlich demokratisch besiegelt. Nun sind es nur noch 50%. Ein Fehler hätte sich eingeschlichen.

Warum wird um die Erstwohnsitzbindung so ein Aufheben von einigen, wenigen Gemeinderäten gemacht? Weil es den Ort nicht nur haushaltstechnisch besser stellt mit der anteiligen Steuer der Einheimischen als mit einer Zweitwohnungssteuer. Weiterhin sind die zu erzielenden Marktpreise auch in der Regel geringer, wenn Erstwohnsitze für eine Frist von 15 Jahren im Bauleitverfahren von der Gemeinde vorgeschrieben werden. Somit hätten theoretisch Einheimische auch Chancen auf bezahlbare eigene vier Wände.

Bei 100% Erstwohnsitzbindung kommt also mehr Leben und Beitrag in den Ort, als bei nun 50% Zweitwohnungen auf dem Fichtner-Gelände. Bei Zweitwohnungen sind die (noch nicht vorgespaxten) Fensterläden – wie schon jetzt immer öfters im Ort zu sehen – oft geschlossen und diese werden vielfach nur für Ferienzwecke genutzt.

Für den Investor und Bauträger auf der anderen Seite bringen weniger oder keine Erstwohnsitzbindungen einen höheren Verkaufspreis und einen besseren Profit. Es wird im Markt von knapp Euro 6.000 pro Quadratmeter Eigentumswohnung / Eigenheim in „Neu-Breitenbach“ gesprochen.

Also reicht eine halbe Million Euro nicht für eine 100 qm Wohnung. Das können sich wenige Einheimische leisten.

Das Problem der Einheimischen wurde in diesem Gastbeitrag schon gut zusammengefasst:

Gastbeitrag von Horst Teckhaus

Hier eine kleine Zusammenfassung von Artikeln über das Thema Fichtner-Gelände / „Neu-Breitenbach“ / Wohnen am See:

Fichtner – Abweichungen werden zur Regel

Der Aufhauer „Tegernsee ist so last year“ war ein anderer Arbeitstitel zur Vermarktung:

Alpen-Immo – „Lebens(ver)kauf am See“

Wie bereits berichtet, der ursprünglich angekündigte Verkaufsstart konnte wegen weiterer Verfahrensmängel nicht eingehalten werden:

„Wohnen am Schliersee“ – wieder in Warteschleife

Wohnen am Schliersee kann man natürlich nicht nur in „Neu-Breitenbach“. Der Titel scheint ein wenig großspurig gewählt:

WOHNEN AM SCHLIERSEE – Lebensqualität?

Bleibt unterm Strich für die Gemeinde eine Wertabschöpfung der zwei Bauplätze für Einfamilienhäuser von Euro 520.000 (Verkaufserlös laut öffentlicher Gemeinderatssitzung mit Haushalt vom 2. Mai) minus der Einstandkosten (Erwerb der beiden Grundstücke Bebauungsplan „Breitenbach“) in Höhe von Euro 156.000.

Also, ganze Euro 364.000 werden 2017 haushaltstechnisch für die Gemeinde als Bezahlung der Umwandlung des Gewerbegebiets in ein Wohngebiet geflossen sein. Eher mager für einen Markt, der immer noch unter einer erheblichen Verschuldung von rund Euro 14 Millionen leidet.

In Heller und Pfennig heißt das, der Quadratmeter kurzzeitig gemeindliche Baugrund für zwei Einfamilienhäuser auf dem Fichtner-Gelände wurde mit rund Euro 400 vom Investor bezahlt. Im Vergleich zum „Einheimischen“-Modell an der Seestraße mit weniger Wohnqualität und einem von der Gemeinde geforderten Mindestpreis von Euro 500 pro qm ist dieser Verkaufspreis schlichtweg verwunderlich.