Fichtner – Abweichungen werden zur Regel

 

Der Tagesordnungspunkt 2 auf der vergangenen Bauausschusssitzung erstaunte einige aufmerksame Immobilieninteressierte im Vorfeld sehr – das Fichtner-Gelände mit über 18.000 qm ist doch ein Bebauungsplangebiet und damit Gemeinderatssache. Und die dazugehörende 33. Änderung des Flächennutzungsplans liegt am kommenden Dienstag im Marktgemeinderat an. Gefühlt seit einem Jahrzehnt ging die Planung in Breitenbach seinen Gang – vorwärts, seitwärts und oft auch rückwärts. Mehrere Änderungen im Investorenbereich, bei Architekten, Fehler im Bebauungsplan, Flächennutzungsplan und dann natürlich auch noch die Fledermäuse. Und nun die Abweichungen von der Gestaltungssatzung. Da wird nun noch ein wenig mehr wurde aus dem Objekt rausgepresst.

Nach dem Motto – „a bisserl was geht immer no“ wurde mit den Abweichungen von der gültigen Gestaltungssatzung am vergangenen Dienstag noch ein wenig Mehrwert für die Investoren herausgeholt. Eigentlich wurde der bisherige Eigentümer mit der großzügigen Anzahl an Wohneinheiten und der äußerst geringen Wertabschöpfung seitens der Gemeinde doch schon vorzüglich behandelt. Die obigen vier neu zu erstellenden Mehrfamilienhäuser mit jeweils 9 Wohneinheiten (Nr. 2 – 5) und am Ende insgesamt 14 Wohneinheiten in dem heutigen Holzmarkt (Nr. 1) bekommen schlußendlich eine ordentliche Tiefgarage. Die grünen Linien um die Häuser 2 bis 5 sind die Ausmaße der zukünftigen Tiefgarage mit fast 100 Stellplätzen. Die Tiefgarageneinfahrt zur Tegernseer Straße hin wird eingehaust und mit einem Satteldach versehen. Dies führt eben damit zur Überschreitung der im B-Plan geregelten GRZ.

Das Abstimmungsergebnis im Bauausschuss:

6 zu Null Stimmen für die Abweichung bei den Dachflächenfenstern

6 zu Null für die Abweichung mit den Fenstern und Fenstertüren

6 zu Null für die Abweichung bei der Dachneigung

6 zu Null für die Abweichung mit der Genehmigung der erhöhten GRZ

Alles bei einer Enthaltung, da das CSU-Bauausschussmitglied Gerhard Krogoll als Bebaungsplanfertiger durch seine persönliche Beteiligung von der Stimmabgabe ausgeschlossen war.

Warum nun sind nach den Jahren der Diskussionen und diversen Versionen von Bebauungsplänen und Flächennutzungsplänen die Abweichungen eingereicht und genehmigt worden?

Zum Hintergrund: Eigentlich sollte die Bebauung des Gewerbegebiets mit knapp 70 Wohneinheiten schon seit Jahren in trockenen Tüchern sein. Diverse Fehler und Änderungen in verschiedenen Sphären zogen sich nun über Jahre. Es wäre doch so einfach gewesen.

Der Bebauungsplan ist durch, der FNP wird diese Hürde aller Voraussicht nach am Dienstag passieren. Deshalb hätten die Immobilieninvestoren schon längst mit dem Bauen loslegen dürfen – mit einer sogenannten Genehmigungsfreistellungserklärung.

Dieses Vehikel wurde ja bekanntlich schon von der Freundin des CSU-Bürgermeisters bei dem vielbeschriebenen – früheren selbst am Ende mit Zwangsgeld belegten Schwarzbau – in Fischhausen erledigt und daher dürfte es schon einigen Lesern bekannt sein.

Im Baurecht ist es durch die Liberalisierung möglich, dass bei einem rechtskräftigen Bebauungsplan zügig ohne Baugenehmigung gebaut werden kann. Dies bringt nur ein Risiko für den Bauherrn und den Entwurfsverfasser / Architekten mit, die zusammen für die korrekte Einhaltung der Art und Weise der baulichen Nutzung und den Beschränkungen des Bebauungsplans garantieren müssen. Und bei Verstoß wird gehaftet.

Ohne das Genehmigungsfreistellungsverfahren gibt es nun ein wenig Zeitverzug als Nachteil, da durch die Beantragung im normalen Genehmigungsverfahren das Landratsamt als Staatliches Bauamt involviert werden muß. Die oben beschriebenen Abweichungen von der Ortssatzung und der textlichen Festsetzung im Bebauungsplan bringen also zwar einen monetären Mehrwert, aber auch einen gewissen Zeitverzug.

Die Planer haben nun als Terrassen erhöhte Holzdecks im Angebot, die durch hohe Gräser abgedeckt werden sollen. Ansonsten schweben die Holzterrassen in einer gewissen Höhe frei, dank den den Vorschriften wegen dem möglichen maximalen Hochwasser des Breitenbachs.

Die Vision der Planer wurde damit beschrieben, dass sich die vier neuen Mehrfamilienhäuser wie Jahresringe um den Holzmarkt legen. Später wurde die Allegorie auf eine noch höhere Stufe gehoben: es soll aussehen wie Schiffe, die von der Anordnung alle einen Blick auf den See bekommen sollen. Nett und erstaunlich, wie man massive Bauwerke filigran beschreiben kann.

Übrigens gibt es natürlich auch noch eine Anzahl von Einfamilien- und Doppelhäuser auf dem Rest des von einem Gewerbe- in ein Wohngebiet umgewandelten Neu-Breitenbach. Der gesetzlich vorgeschriebene Spielplatz wird erst mit dem Landschaftsplan eingereicht und wir bleiben wie gewohnt weiter für unsere Leser am Ball.

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