Das schiache Schlierachbrückerl: „Vorher war sie nicht richtig!“

 

Das an einem Wochenende zuerst selbst verlegte Schlierachbrückerl ist in der nun gestern durchgewunkenen Fassung des Bauabschusses immer noch und echt schiach – diese Kommentare gibt es oft zu hören. Es wurden wieder einmal im Ort zuerst Tatsachen mit einem nicht genehmigten Bauwerk geschaffen und dies wurde nun nach mehreren Versuchen und Anläufen nachträglich legalisiert. Offenbar ist es ganz hilfreich viel für die ortsansässige CSU geleistet zu haben, so wird gemunkelt, sonst hätte wahrscheinlich dieses Bauwerk wieder beseitigt werden müssen. Da blieb dem CSU-Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer als lapidarer Kommentar nur: „Vorher war sie nicht richtig!“

Der Tagesordnungspunkt 3 der Bauausschusssitzung vom 19. September war flott arrangiert. „Vorher war die Brücke nicht plankonform“, so der Bürgermeister. Soweit der Redaktion bekannt: es gab anfangs gar keinen Plan, bzw. nur einen der Kleingartenbesitzer auf der anderen Schlierachseite, die dieses Grundstück 1998 ohne Zugang von der Deutschen Bahn gekauft hatten.

Dazu gab es am 17. Dezember 1998 einen sehr ausführlichen Artikel in dem Miesbacher Merkur unter dem Titel: „Bäuerin fühlt sich von der Bahn verschaukelt“. Damals wurde dieser eigenartige Deal eingefädelt: ein Schrebergarten mit 60 mal 8 Metern ohne Zugang.

Also, für die ursprünglichen 420 qm Schrebergarten, der zwanzig Jahre keinen offiziellen Zugang hatte, wurden nun Fakten geschaffen. Eine Brücke, die auf Gemeindegrund beginnt, an den Spundwänden der kanalisierten Schlierach fixiert wurde (Seit wann war das Wasserwirtschaftsamt involviert?) und auf der anderen Seite auf der noch bestehenden Langlaufbrücke der Gemeinde endet. Vielleicht ist auch noch ein kleines Stück DB beigemengt, wer kennt sich da in dem Wirrwarr wirklich aus?

Es ist schon alles ein wenig eigenartig, speziell, da bekanntlicherweise ein einstimmiger Beschluss des Bauausschusses von vor genau zwei Jahren vorliegt, dass es einen runden Tisch zur Lösung des Problems der Zuwegung geben sollte, um eben eine Brücke zu vermeiden. An diesen Mehrheitsbeschluss fühlt sich der CSU-Bürgermeister bis heute nicht gebunden und wartete einfach bis zur jetzigen Faktenschaffung ab.

Den bisher fehlenden Plan hat aber schlußendlich der CSU-Gemeinderat und Architekt Gerhard Krogoll für die Schrebergartler nachgeliefert. Also wurde wieder einmal geheilt. So wurde das „hässliche Brückerl“ im Schnelldurchlauf mit 6 Stimmen zu Null legalisiert. Nur der Planer Krogoll mußte sich wegen persönlicher Beteiligung der Stimme enthalten.

Im Beschluss nuschelte der Bürgermeister noch etwas von einem Gestattungsvertrag. Dieser Punkt scheint aber bisher im Gemeinderat noch nicht bekannt zu sein. Es gab keine Abstimmung über die Gestattung der privaten Brücke auf Gemeindegrund. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Vielleicht hat es aber der Bürgermeister auch auf dem kurzen Dienstweg selbst veranlasst, Ähnliches ist über seine freie Auslegung der Geschäftsordnungskompetenz auch schön früher im Markt passiert. Erstaunlich, was alles geht in Schliersee.

Zum besseren Verständnis und der Evolution des schiachen Brückerls an prädestinierter Ortslage nahe der Westenhofener Kirche hier ein paar unserer früheren Artikel mit Fotodokumentation:

Die Evolution der Brücke über die Schlierach

 

Brücke – verboten!

 

Die Brücke an der Schlierach

 

Unser Dorf soll hässlich werden

Zum Thema der vieldiskutierten Schwarzbauten in Schliersee noch ein nettes Zitat zum Schwarzbau auf dem Schrebergarten aus dem Beitrag des Jahres 1998: Der „Pressesprecher des Landratsamtes gibt zu, dass der Fall bisher nicht bearbeitet worden sei. Es gab wesentlich dringendere Angelegenheiten, in denen ein Zeitverzug großen Schaden angerichtet hätte. Die Hütte der Reinthalers steht dagegen bereits seit fünf Jahren, und es hat sich bis vor einem Jahr nie jemand beschwert. Offensichtlich handelt es sich um keinen dringenden Fall. … Auf alle Fälle werden wir demnächst einen Ortstermin ansetzen. Anschließend wird entschieden, ob die Hütte beseitigt werden muß oder ob eine nachträgliche Genehmigung ausgesprochen werden kann.“

Die Hütte steht heute noch, mit Kamin. Also scheint der Laie davon auszugehen, dass irgendwann eine nachträgliche Genehmigung erteilt wurde. Haken dahinter, eine Anekdote mehr in Schliersee – und a schiaches Brückerl für die Ewigkeit.

 

 

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