Ortseingang Schliersee – Wunschkonzert ohne Erschließung positiv beschieden

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Der Antrag auf Fortsetzung des Verfahrens zum Erlass einer Einbeziehungs- bzw. Ortsabrundungssatzung an der Miesbacherstraße auf bisher landwirtschaftlichem Grund (mit Verwandtschaftsbezug zu einem Marktgemeinderat) wurde trotz der bisher fehlenden Erschließung im letzten Bauausschuss vor der Sommerpause einstimmig positiv entschieden.

Wir berichteten in den beiden letzten Tagen über die Hintergründe zu der scheinbar eigenartigen Entscheidung eines grundsätzlich positiven Bescheids zur möglichen Umwandlung von Grünland in Bauland am Ortseingang Schliersee.

Obwohl eine ausreichende verkehrsmäßige Erschließung nicht vorhanden ist, erst eine Straßengrundabtretung mit fremden Grundstückseigentümern verhandelt werden muss, die landwirtschaftliche Fläche zu einem derzeitigen Preis (gemäß der aktuellen Bodenrichtwerttabelle Ende 2016) mit etwa 6 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlägt und keine Wertabschöpfung für die Gemeinde bei der Umwandlung in Bauland in Aussicht gestellt wurde sowie der gesamte Sachverhalt – nach Aussagen des die Gemeinde beratenden Architekten – städtebaulich kritisch gesehen wird, warum passiert dann so etwas?

Die gewünschten vier Baugrundstücke des Eigentümers des landwirtschaftlichen Grundes würden etwa zwischen 600 und 750 qm groß sein, mit einer Grundfläche von den etwa 100 qm für die jeweiligen Häuser. In Wahrheit also schmale Streifen von rund 15 Metern Grundstücksbreite auf eine Länge von zwischen 23 bis zu 32 Metern.

In Realität würde dies bedeuten, dass vier Häuser mit dem jeweils geforderten gesetzlichen Mindestabstand von drei Metern zu den Nachbarn stehen würden.  Drei Meter Mindestabstand, Haus mit 9 Metern Breite und dann wieder drei Meter Mindestabstand zum nächsten Haus. Heißt auf gut deutsch: maximaler Bebauungswunsch mit maximaler Profiterzielung. Wenig für das Ortsbild.

Alles mehr als eine gefällige Bebauung am Ortseingang Schliersee, dem Fenster zu Schliersee nach dem Kirchbichl. Ist das nun die Wirklichkeit in Schliersee? Bauwerber tragen ein Wunschkonzert vor und mit der Verdrahtung des richtigen Netzwerkes funktioniert dann auch die Umwandlung von Grünland in Bauland irgendwann einmal. Und zum Ende womöglich auch noch ohne einen Wertzuwachs für die Gemeindekasse. Beispiele dazu gibt es im Markt in den letzten Jahren genug.

Bei einem aktuellen Grünlandpreis von Euro 6,80 pro qm in Schliersee und einem Baulandpreis von mehr als Euro 460 pro qm – laut der Bodenrichtwerttabelle des Landkreises zum 31.12.2016 in der „1. Bauzeile und vergleichbaren immissionsbelasteten Lagen an der B 307 im Ortsbereich Schliersee“ – ist der Wunsch eines Bauwerbers verständlich. So leicht kann man sonst nirgends Geld verdienen. Der Mehrwert von über Euro 450 pro qm Grund mit wiederholten kostenlosen Anträgen auf eine Satzung ist verlockend.

Dies alles scheint nun doch an den 16 Metern – offenbar unrechtmässig – geteertem Garten der Miesbacherstraße 32 zu scheitern. Diese Straßengrundabtretung aus den 70er Jahren war scheinbar übersehen worden. Und zu dem heute üblichen Preis von gut Euro 15 für einen Quadratmeter Straßengrundabtretung wird der gemäß Bodenrichtwerttabelle eher Euro 600 teure geteerte Baugrund im Ausmaß von knapp 50 Quadratmetern (16 m Länge x 3 m Breite) sicherlich nicht weitergereicht werden.

Der erste Versuch der Marktgemeinde zur schnellen Unterschrift für dieses Versäumnis ist kläglich gescheitert. Es geht also in die Warteschleife und in voraussichtlich zähe Verhandlungen.

Warum konnte der Bauausschuss da einstimmig zustimmen, obwohl doch seitens der Verwaltung im Kleingedruckten eindeutig festgestellt wurde: „Die vorhandene Straßenbreite ist für eine ausreichende Erschließung nicht ausreichend. Auch konnte bisher die weitere Erschließung nicht geklärt werden.“???

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