Ortseingang Schliersee – „Das kalte Grausen“

 

In der letzten Bauausschusssitzung hat der auf dem Ersatzticket in den Gemeinderat gerutschte Architekt Gerhard Krogoll kein Blatt vor den Mund genommen: „Da kommt mir das kalte Grausen.“ Dies bezog sich auf den Ortseingang Schliersee hinter dem Kirchbichl, von Hausham auf der B 307 kommend auf der linken Seite. Hier war unter TOP 2 der bereits früher behandelte – und abgelehnte – Antrag einer Wohnbebauung der landwirtschaftlichen Fläche: Diesmal mit vier Baufenstern mit jeweils nur 3 Meter Mindestabstand zum Nachbarn.

In einem früheren Antrag war der Wunsch nach drei Parzellen, jetzt eben ein Teilungsvorschlag der Eigentümer mit vier Baugründen. Da zur B 307 gesetzlich insgesamt 20 Meter Mindestabstand eingehalten werden müssen soll die bisher landwirtschaftliche Fläche maximal möglich bebaut werden – am Fenster zu Schliersee, dem Ortseingang.

Der CSU-Bürgermeister gestand ein, dass es „grundsätzlich kein Baurecht“ gäbe, auch wenn der Flächennutzungsplan eine Wohnbebauung ausweist. „Wirklich am Ort, jeder fahrt da nach Schliersee rein.“ Wolfgang Schauer von der Ausschussgemeinschaft kann sich sogar einen Wall vorstellen: „Ich hab des in der Diskussion mitbekommen.“

Für den Grünen Gerhard Waas ist eine Bebauung kein Problem, da es ja „gerade ausserhalb des Landschaftsschutzgebietes“ liegt. Die Schlierseer mit Robert Mödl: „Man sollte als Gemeinde schauen, was man daraus machen kann.“

Dann brach der gute Franz Schnitzenbaumer (s)eine schwarze Lanze: „Wenn das erste erstritten wird“, dann machen wir doch lieber einen Bebauungsplan und schlagen dies dem Gemeinderat als einen Empfehlungsbeschluss vor: Abstimmungsergebnis einstimmig mit 7 : 0.

In der Diskussion konnte sich dann der „kalte Grausen“-Planer Krogoll dann doch „zwo / drei Häuser“ zum guten Ende vorstellen. Grundsätzlich wurde also die Ortsentwicklung an diesem ortsprägenden Punkt positiv gesehen. Johanna Wunderle von der CSU: „Es ist zu überlegen, wieweit man den Umgriff macht.“

Aus Nachbarkreisen verlautete, dass die Eigentümer aus Gmund und mit einem Landwirt / Gemeinderat in Schliersee verwandt seien. Wir werden weiter berichten.

Alles kein Problem, wenn da nicht die fehlende Erschließung wäre – die auf 16 Meter Länge mit nur zwei Metern Straßenbreite der Miesbacherstraße besteht und keiner im Visier hatte bzw. dies vom gemeindeeigenen Berater und der Bauamtsleiterin nicht als Information mit in die Diskussion eingeflossen ist.

Also, alles kehrt Marsch. Der Bebauungsplan wird in der derzeitigen Situation der Verkehrserschließung ein Jugendblütentraum bleiben, der ebenso wie ein zu erstreitendes Baurecht ein Rohrkrepierer ist.

Keine Erschließung, keine Bau. Die bestehenden Häuser hinter dem bisher unbekannten Nadelöhr haben eigentlich auch ein Problem, bisher wußte es jedoch außer dem zuständigen Herren in der Gemeindeverwaltung keiner. Und dessen Anstrengungen zur Bereinigung der Misere hatten bisher auch keinen Erfolg.

Erstaunlich ist es zudem, dass das Staatliche Bauamt am Landratsamt Miesbach die hinterliegenden Häuser im Klosterweg trotz der nicht korrekten Verkehrserschließung erlaubte.

Im anschließenden Bebauungsplan 44.1 wird dies übrigens auch zu Verwerfungen führen müssen – und das geplante Doppelhaus wird eigentlich nicht kommen dürfen.

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