„Anbau“ schluckt Heimatmuseum

 

Der Baufortschritt am „Anbau“ des Heimatmuseums nimmt langsam gigantische Ausmaße an. Das Bild der letzten Tage zeigt die Hausecke zur Lautererstraße, die offenbar unmittelbar an den bestehenden Gehweg anschließt. Viel Grün- und Spielfläche bleibt da für die beiden geplanten Kindergartengruppen nicht. Zwar wurden nun sechs Parkplätze der ursprünglichen Planung eingespart, aber was passiert nun mit der sowieso schon  angespannten Parksituation in der Ortsmitte?

Das rückwärtige Gebäude des Heimatmuseums mit dem rund 55 qm großen Waldeckersaal stammt aus dem 14. Jahrhundert. Es wurde aus unbehauenen Feldsteinen errichtet. Das Vorderhaus aus dem 15. Jahrhundert ist mit den beiden zwischen 25 und 30 qm großen Kammern sowie der Küche holzaufgeschlossen, also ein Blockbau – der älteste in Bayern. So nimmt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zu dem sogenannten „Schredlhaus“ explizit Stellung: „Sicher sollte der Neubau so zurückhaltend gestaltet werden, dass er dem Denkmal nicht die Schau stiehlt.“

Zur Straßenseite hin stiehlt der Neubau („Anbau“) mit 17 Meter Kantenlänge dem historischen Denkmal mit gut 10 Metern Hauslänge sicherlich schon einmal die Schau.

 

Wie aus der obigen Skizze zu ersehen, es gibt bei Fertigstellung im Frühjahr nächsten Jahres sage und schreibe drei Parkplätze. Beim früheren Postamt, das von dem Markt Schliersee für rund Euro 350.000 erworben wurde (ohne Abbruchkosten), waren noch 9 Parkplätze vorhanden, davon zwei behindertengerechte. Diese Parkplatzsituation berücksichtigte der erste Wunschplan vom Architekturbüro Wegmann in der Vorstellung unter Tagesordnungspunkt 8 am 21. Juli 2015 in der öffentlichen Marktgemeinderatssitzung.

Die Zufahrtsstraße zu den bescheidenen drei Parkplätzen und die schraffierte Fläche als Terrassen zeigen die verbleibende Grünfläche für die gut 40 Kinder in den beiden Kindergartengruppen. Schade, dass hier an der falschen Stelle gespart wurde. Der öffentliche Spielplatz ist zwar in Laufnähe, aber ein gewisser Umgriff wäre schon wünschenswert gewesen.

 

Um die bisherigen Darstellungen im Kontext einzuordnen, hier ein Schwarzplan mit den bestehenden Häusern in der Umgebung. Zu beachten ist, dass die alte Schlierseer Schule in dem Entwurf vom Architekten Wegmann bereits ausradiert wurde. Es ist weiß, also nicht mehr vorhanden. In einer öffentlichen Sitzung wurde dazu Stellung genommen: Es sollten sich dann die nachfolgenden Generationen Gedanken dazu machen, was mit der Fläche des alten Schulhauses passiert.

Dass dies auch mit einem demokratischen Mehrheitsbeschluss vor gut einem Jahr in einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Marktgemeinderats zur Ortsmitte so umgesetzt werden wird, davon berichtete die Schlierseer Zeitung bereits in mehreren Artikeln.

Mit der Fertigstellung des „Anbaus“ ans Heimatmuseum wird die Schule abgerissen!

Ob nun die Bemerkung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zutrifft, der Neubau zurückhaltend ist und dem historischen Baudenkmal „nicht die Schau stiehlt“, das darf die werte Leserschaft selbst beurteilen. Ein Ortstermin ist durchaus ein Augenöffner. Was man als klamme Gemeinde mit Euro 3,5 Millionen alles anfangen kann.

Ein 200 qm großer Ausstellung- und Musikübungsraum im 1. Stock (3 Meter lichte Raumhöhe). Und zwei Kindergartengruppen mit jeweils rund 50 qm im Erdgeschoß (3,6 Meter Raumhöhe) mit den zugehörigen Räumlichkeiten für das Kindergartenpersonal.

Im Keller ein unterdurchschnittlich hoher Kellerraum mit 75 qm und zwei Lichtschächten als weiterer Übungsraum, der aber – wie es die frühere Planung vorsah – für die Schlierseer Blasmusik nicht geeignet war. Weiterhin vier Archivabteile mit jeweils weniger als 20 qm. Dafür ist bisher ein Bedarf von den Alt-Schlierseern und dem Heimatmuseumsverein angemeldet.

Der ursprünglich für die Gemeindeverwaltung geplante Archivraum von knapp 50 qm wurde nun fast zur Hälfte eingedampft, da beim Kelleraushub die Glasfaserleitungen der Telekom zum Vorschein kamen und der Keller eine Amputation erfuhr. Die Bodenplatte geht darüber hinweg und deshalb stößt die Ecke des Neubaus nahezu an den Gehweg in der Lautererstraße an.

 

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