„Terra Armate“ – 60 Grad am Dekan-Maier-Weg

Dieses Bauvorhaben sprengt allein schon bei den Kosten der Geländemodellierung alle bisherigen Sparbüchsen und Vorstellungen in Schliersee. Ein gut siebenstelliger Betrag soll schon in der – noch nicht fertigen – Baugrube angelegt sein und noch kein Ende in Sicht. Der Hang wurde ausgehöhlt sowie zur Stabilisierung mit Metallgittern, Erdankern und Spritzbeton in Hülle und Fülle versehen – und jetzt kam ein Findling daher. Der Dekan-Maier-Weg schreibt Geschichte.

Die unendliche Geschichte ist seit Jahren auf der Tagesordnung des alten (vor 2014) und des neuen Marktgemeinderats. Wollte der frühere Eigentümer und ehemalige Porsche-Finanzvorstand Härter sich vor Jahren noch ein großzügiges Domizil mit einer noch großzügigeren Garage am Ortsrand neben der Schliersberggondel schaffen, so hat er sich damals nach mehreren fruchtlosen Versuchen die Hörner abgestoßen und das Grundstück frustriert weitergereicht.

Dann wurde der Wald verbotenerweise vollständig abgeholzt. Das Haus war abgerissen, der Bauantrag eigentlich erloschen. Mit einem Kniff über ein paar Umwege wurde das erloschene Baurecht wiederbelebt. Das Architekturbüro Wegmann war anfangs auch von der Partie, bis es – so munkeln gut unterrichtete Kreise in der Nachbarschaft – den Laufpass bekam.

Neuer Eigentümer, neuer Architekt. Spezialisten aus dem Nachbarland, die sich in Hangverbauungen, Erdankern und Spritzbeton auskennen. Hunderte LKWs mit schwerster Ladung am Rathaus vorbei, die Hans-Miederer-Straße hinauf und dann den Dekan-Maier-Weg wieder bis zur Talstation der Schliersbergbahn hinunter. Der Grund: Der eigentlich erheblich kürzere Weg ist durch die Tonnagenbeschränkung in der Leitnerstraße über den Kreiter Graben verwehrt.

Und nun sollen auch noch Spezialisten aus Italien die beachtliche Baugrube sichern: „Terra Armate“ soll es richten. Da soll man bei 60 Grad steilen Hängen noch eine Vollbegrünung mit heimischer Vegetation hinbringen.

Billig wird es sicher nicht, für den Bauherren Prof. Dr. Busch. Weniger betuchten Immobilienkäufern in Schliersee werden die Augen tränen, was man alles anstellen kann, wenn die Taschen tief genug scheinen. Einen Ausflug ist die Baustelle auf jeden Fall wert. Es gab sogar schon Bemerkungen. dass dies aussehen würde, wie die Einfahrt zum Brenner-Basistunnel.

Am Ende des Bauvorhabens bleibt nur zu hoffen, dass es die „Terra Armate“ wirklich richten kann, eine ordentliche Renaturierung der riesigen Baugrube. Der Findling in der Nähe der Position des genehmigten Gästehauses bringt nun einen weiteren Bauzeitverzug. Der Bauausschuss war sich am Dienstag mehrheitlich einig, das muss man sich erst mit einem Ortstermin ansehen.

Der Findling sei ähnlich einem Eisberg zu sehen, so die Expertenmeinung. Dieser massive Steinkörper würde die Statik des Hanges stören, wenn er ausgebaut werden würde. Außerdem wird darunter eine Wasserader vermutet.

Ob Vernunftsgründe in Bezug auf die Hangtopologie nun dazu führen, das Gästehaus weiter vom gefährdeten Nachbargrundstück wegzurücken, das bleibt abzuwarten.

Der Bodengutachter fordert bei Hangwinkel ab 30 Grad sogenannte Terramesh-Geländebefestigungen. Dieses System wurde in Italien entwickelt und kommt eben unter dem Markennamen „Terra Armate“ daher.

Dabei hat doch alles so bescheiden in der Einladung zur Bauausschusssitzung am 25. Juli ausgesehen: TOP 1 – Tektur zur Verschiebung des Gästehauses, FlNr. 2049, Dekan-Maier-Weg 10.

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