Anbau Heimatmuseum – „noch nicht ganz zufriedenstellend“

 

Dieses Zitat des Architekten Johannes Wegmann, seines Zeichens für den Anbau an das Heimatmuseum verantwortlich, spricht Bände. Es läuft seit dem Anfang nicht so wie gewünscht. Und die Schließung des Heimatmuseums durch den Trägerverein – wegen den durch den Anbau verursachten Setzungen und Rissen – zieht auch weitere Kreise. Die Wiedereröffnung des Heimatmuseums dauert noch Wochen, es werden erst Haftungsübernahmeerklärungen abgewartet.

Warum mußte es so weit kommen? Das in den Augen vieler Bürger überteuerte Objekt der Begierde vom Architekten Wegmann steht offenbar seit dem ersten Spatenstich unter einem schlechten Stern. Es wird zwar gute Miene zum bösen Spiel gemacht, aber es kriselt vor unter hinter der Fassade des Heimatmuseums.

Architekt Wegmann verteidigt sich

Planer Wegmann sprach in der Marktgemeinderatssitzung von acht Stellen mit Setzungen und Rissen. Dort wurden sogenannte Messuhren aufgestellt, um die weiteren Bewegungen des Gebäudes zu überwachen. Diese sind im Handel für rund Euro 100 das Stück zu erwerben. Der wirkliche Schaden am jahrhundertealten Heimatmuseum – durch die Ausgrabung für den neuen Anbau daneben – wird aber nicht nur hohe Kosten verursachen. Sicher ist, dass der einmalige und ehemalige historische Zustand des Baudenkmals Vergangenheit ist.

Architekt Wegmann sprach von einem „Rissmoratorium“. Wir konnten dazu keine Erklärung finden. Wahrscheinlich ein Neologismus, der bei Google noch nicht eingepflegt ist. Die Aussage, dass sich „die Risse teilweise zurückgebildet“ haben, das glaubten in der öffentlichen Ratssitzung wenige.

Zusätzliche Kosten durch altes Dach

Den Gemeinderäten war bis dato nicht bewußt, dass das Thema Dach möglicherweise kompliziert ist. Ein externer Spezialist soll nun nach Angaben des Architekten ein Konzept für den alten Dachstuhl entwickeln. Wie lange dauert so etwas? War das vorher nicht bekannt? Was entstehen an zusätzlichen Kosten?

Da es wahrscheinlich auch wieder eine Baukostensteigerung in diesem Fall geben wird, so soll noch bis August ein Förderantrag für die Dachstuhlsanierung des Heimatmuseums gestellt werden.

Räume im März 2018 doch nicht feucht?

Von der Aussage von noch feuchten Räumen bei einer Fertigstellung im März 2018, die der Architekt in der vormaligen Sitzung zitierte, wollte er nichts mehr wissen. Nach dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung wurde dieses Originalzitat Wegmann von Wegmann negiert.

„Wir sind keine Hasardeure, wir haben Statiker, fünf Leute, die sich mit dem Tragwerk auseinandersetzen“, so Wegmann. Da verwundert dann doch bei all dieser Expertise, dass die „Risse im Millimeterbereich“ (tatsächlich scheint dies nach Aussagen von Besuchern des Heimatmuseums vor der Schließung eher im Zentimeterbereich zu liegen) nichts atypisches mit einem Altbau sind.

 

Genau hier liegt das Problem: der Altbau sollte ja eigentlich gar nicht angerührt werden. Das über 600 Jahre alte Denkmal durfte für den Anbau unter keine Umständen einen Schaden erleiden.

Die „Schnapsidee“ mit der auf den Bildern zu sehenden Unterkellerung und astronomischen Kosten für kaum nutzbare (da nicht genügend hohe) Räume zahlt sich für die Allgemeinheit nicht aus. Ein weißer Elefant im Ortszentrum von Schliersee?

Welche Honorarzone gilt nun?

Da stellt sich dem geneigten Leser nun zum Ende die Frage, wird die Honorarleistung des Architekten nach HOAI für eine sehr geringe, durchschnittliche oder eine Aufgabe mit sehr hohen Anforderungen vergütet?

Der Unterschied in Euro und Cent ist nicht unbedeutend: liegt es in der höchsten Honorarzone mit sehr hohen Anforderungen nach HOAI, da können bis zu 15% der Bausumme vom Architekten in Rechnung gestellt werden. Bei der billigsten Stufe Honorarzone I kostet es im einfachen Fall nur halb soviel. Die Schlussrechnung wird dann hoffentlich öffentlich präsentiert. Im Zuge der Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Gelder eigentlich ein Muss.

Da bleibt nur noch mit einem weiteren Zitat vom Architekten Johannes Wegmann zu enden: „Mehrung – es könnte noch schlimmer sein.“

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