Abriss des Schulhauses in Schliersee!?!

 

Der Abriss der vor gut 100 Jahre gestifteten Schlierseer Schule steht seit dem Mehrheitsbeschluss in der nicht-öffentlichen Sitzung vom Juni 2016 eigentlich fest! Die Verwirrung bei den Gemeinderät(inn)en scheint jedoch immer noch groß zu sein. Der CSU-Bürgermeister und einzelne Räte wollen sich nicht die Finger verbrennen.

Eigentlich ist das Thema um die Schlierseer Schule seit nunmehr gut 9 Jahren ein Fiasko. Die CSU hat damals beschlossen, die Schule in Schliersee zu schließen und nach Neuhaus umzuziehen. Das Resultat nach fast einem Jahrzehnt: ein altes Schulhaus ohne Bestimmung und rund zwei Drittel der Schlierseer Schüler werden schultäglich von Schliersee mit Bussen nach Neuhaus und zurück transportiert.

Der im Juni 2016 beschlossene Abriss des alten Schulhauses: Nicht nur Max Lauterer, der Stifter, würde sich im Grabe umdrehen. Eigentlich „zum ewigen Andenken gewidmet“, so steht es zumindest auf der Marmortafel im Eingangsbereich. Hoffentlich wird diese wenigstens noch gerettet und gebührend ausgestellt, wenn der Beschluss endgültig umgesetzt werden sollte.

Nun zu Zahlen, Daten und Fakten: Was hätte eine Renovierung des gestifteten Schulhauses gekostet? Es gab trotz mehrerer Anträge im Gemeinderat durch die PWG keine nähere Untersuchung zu diesem Thema – die Mehrheit wollte dies nicht.

Das Protokoll der Sitzung vom 18. Oktober 2016 gibt schließlich einen groben Überblick über den Neubau am Heimatmuseum: „Für die Kostengruppen 300/300 (Bauwerk/Technische Anlagen) wurden die Kosten nach dem Baukostenindex zuzüglich Regionalfaktor geschätzt. Die Kosten für die Kostengruppen 300/400 werden in Höhe von ca. 2.250.000 € geschätzt. Für die Außenanlagen (Kostengruppe 500) wurden Kosten in Höhe von ca. 150.000 € und für die Kindergartenausstattung (Kostengruppe 600) Kosten in Höhe von ca. 125.000 € geschätzt. Nach der Schätzung vom 17.10.2016 betragen die Bruttobaukosten ca. 2.561.000 €. Die Baunebenkosten (Kostengruppe 700) wurden mit ca. 590.000 € brutto ermittelt.“

Zur Auffrischung: In der Sitzung am 24. Januar diesen Jahres wurde vom Bürgermeister über die Ergebnisse der Bürgerversammlung berichtet. Und da steht im mehrheitlich genehmigten Protokoll geschrieben: „Über den Anbau an das Heimatmuseum Schliersee wird im Marktgemeinderat Schliersee bereits seit mehreren Jahren diskutiert.“ Diese Aussage ist eine sehr freie Auslegung der Wahrheit. Wurde doch zum ersten Mal ein Entwurf eines Anbaus vom Heimatmuseum im Juli 2015 vom CSU-Bürgermeister persönlich in der Tagesordnung vorgestellt – und eine Diskussion gab es nur später und am Rande.

Im gleichen Protokoll wird zitiert: „In der gleichen Sondersitzung wurde ebenfalls erörtert und festgelegt, dass ein Abbruch des ehem. Schulgebäudes frühestens möglich ist, wenn der Museumsanbau fertiggestellt ist.“ Beim Lesen des Screenshots am Artikelanfang steht explizit: Nach der Fertigstellung des Anbaus wird das Schulhaus abgebrochen. Was stimmt denn nun? Und was für ein Protokoll ist nicht korrekt?

Bei genauer Lektüre wird es noch doller: „Der Vorsitzende bringt in Erinnerung, dass die Entscheidung für den Anbau an das Heimatmuseum unabhängig von dem weiteren Vorgehen im Zusammenhang mit der ehem. Schule Schliersee getroffen wurde. Die beiden Objekte sollen daher auch weiterhin nicht vermischt werden. Der Abbruch der ehem. Schule Schliersee wurde in der Arbeitssitzung zur Neugestaltung der Ortsmitte von Schliersee ins Auge gefasst. Eine Umsetzung ist jedoch nicht vor einer vorherigen Beschlussfassung in öffentlicher Marktgemeinderatssitzung möglich.“

Was nun Herr Vorsitzender, CSU-Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer? Wissen Sie, was beschlossen wurde, oder sind die Beschlüsse falsch? Manche behaupten mittlerweile, dem Bürgermeister ist schwerlich zu trauen. Die Diskrepanz zwischen dem veröffentlichten Beschluss und dem späteren Protokoll legt diese Vermutung dem geneigten Leser nahe.

Grün, oder doch nicht grün: „Eine Sanierung der ehem. Schule erachtet GR Dr. Mayer-Hubner als sehr teure Notlösung und als Knebel für die Neugestaltung der Ortsmitte von Schliersee. GR Dr. Mayer-Hubner spricht sicht daher für einen Abbruch der ehem. Schule Schliersee zum gegebenen Zeitpunkt aus.“

Fraglich ist inzwischen, ob nicht der Anbau die teure Notlösung und der Knebel für die Neugestaltung der Ortsmitte ist – und das letzte Grün auch noch versiegelt wird.

Die Ausschussgemeinschaft äußert sich zu Wort: „GRin Dr. Seidenfus sieht derzeit keinen Diskussionsbedarf im Zusammenhang mit dem Abbruch der ehem. Schule Schliersee; derzeit liegen keine neuen Argumente vor.“

Verwirrend! Waren die meisten Gemeinderät(inn)e(n) doch höchstwahrscheinlich in der nicht-öffentlichen Sitzung für den demokratischen Mehrheitsentscheid verantwortlich. Und Monate später wird wieder zurückgerudert. Dies hat möglicherweise damit zu tun, dass die Stimmung im Ort nicht korrekt eingeschätzt wurde und sich nun einige Personen nicht gegen die steife Brise stellen wollen, die ihnen von Seiten vieler Bürger entgegenweht.

Die DS ist scheinbar verirrt: „GR Mödl … Der Marktgemeinderat sollte bald die Entscheidung treffen, ob und falls ja, wann die ehem. Schule abgebrochen wird. Nach der Beschlussfassung sollte dann die Diskussion endgültig beendet sein.“

Liebe Damen und Herren aus dem Marktgemeinderat: Bitte obigen Beschluss nochmals genau durchlesen und dann auch dazu stehen – oder sich eindeutig davon distanzieren, dass man bei diesem Beschluss des Abrisses der Schule nach Fertigstellung des Anbaus Heimatmuseum dagegen stimmte.

Es bleibt natürlich auch noch die Möglichkeit der Heilung: es kann ja durchaus einen neuen Beschluss geben, der den Abriss des Schulhauses rückgängig macht.