Zahlen über Zahlen – was stimmt denn nun?

 

Dieses Protokoll der öffentlichen Marktgemeinderatssitzung wurde fast einstimmig durchgewunken. Mit den genauen Zahlen darin nimmt es die Mehrheit scheinbar nicht so genau. Wäre die Schlierseer Schule wirklich 7.000 qm Bruttogeschoßfläche groß, dann wären die Euro 3,8 Mio. Kostenschätzung zur Renovierung göttlich billig – im Vergleich zu den Euro 3,1 Mio für die 950 qm Bruttogeschoßfläche im neuen Anbau des Heimatmuseums.

In Wirklichkeit geht es natürlich nur um rund 2.100 qm Bruttogeschoßfläche plus ein wenig Keller im alten Schulhaus in der Ortsmitte von Schliersee – so unsere Recherchen. Das genehmigte Protokoll ist – wie in anderen Fällen auch – nicht so penibel bei manchen Details.

Mehr als das Doppelte für 20% mehr Geld

Aber für rund 20% Mehrkosten weit über die doppelte Nutzfläche zu erhalten, da hätte sich schon eine ausführlichere Diskussion im Gemeinderat ergeben dürfen.

Es durfte aber politisch nicht so sein, da doch die Schlierseer CSU vor nun gut 9 Jahren die fragwürdige Entscheidung der Schließung der Schlierseer Schule vorantrieb, das Bürgerbegehren zum Erhalt der Schule im Jahr 2009 durch ein verwirrendes Ratsbegehren mit einem hauchdünnen Vorsprung rettete und nun eben seit fast einem Jahrzehnt nichts weiter gemacht hat, als die Zeit vorbeistreifen zu lassen.

Eine Wiederbelebung des historischen und solide gebauten Schulhauses durfte vor allem nicht durch den Antrag der für die Zukunft und dem Wohle von Schliersee nach vorne denkenden PWG passieren (wir berichteten).

Da wird dann, wie üblich, für die Orts-CSU wieder einmal jemand vorgeschickt: „Für GR Höltschl J. ist eine Sanierung des ehem. Schulgebäudes mit den damit verbundenen Problemen nicht vorstellbar. GR Höltschl J. spricht sich dafür aus, an dem beschlossenen Anbau an das Heimatmuseum festzuhalten.“

Was für Probleme? In einer genauen Analyse der Marktgemeinderatsprotokolle findet sich dazu jedenfalls kein Anhaltspunkt. Aber, man kann ja zuerst etwas in den Raum stellen und nach den Argumenten, Zahlen, Daten sowie Fakten fragen sowieso wenige – und die werden dann halt einfach versucht zu diffamieren. Die langjährig geübte Masche der CSU im Gremium – getreu nach der Devise: „Erst an Dreck schmeißn, a bisserl wos bleibt immer babn“,

Auch Stellungnahmen der Grünen sind nicht mit Fakten unterlegt: „Für GR Waas stellt das ehem. Schulgebäude mit dem dazugehörigen Grund einen erheblichen Wert dar. Sollte im Erdgeschoss der notwendige Kindergarten eingerichtet werden, wäre dieses Objekt für künftige Nutzungen stark eingeschränkt.“

Fakt ist, dass nach der aktuellen Bodenrichtwerttabelle und den möglichen maximalen Nutzungsfaktoren GFZ / GRZ für das alte Schulhaus unterm Strich für die Gemeinde nur ein Erlös von rund Euro 1 Mio. herauskommen würde, so Immobilienexperten.

Das wäre also rund das Geld, das für die Investition in den Keller im Anbau am Heimatmuseum ausgegeben wird. Es ist zu beachten, dass der Umgriff um die für den Kindergarten als Mehrzweckraum zu erhaltende alte Schlierseer Turnhalle – und weitere Restriktionen mit den Nachbargrundstücken – das erhoffte Filetstück vom Schulhaus nur gut zur Hälfte verkäuflich machen.

Da bleibt mit der in den Raum gestellten, aber schwerlich nachvollziehbaren Kostenschätzung zu schließen: „Aufgrund des Volumens des Bestandsgebäudes müssten in die Hülle neue Strukturen implementiert werden. Nach den überschlägigen Ermittlungen durch das Architekturbüro Wegmann ist mit Kosten für die Sanierung in Höhe von ca. 3,8 Mio. € zu rechnen. Bei diesen Ermittlungen wurde von der Integration eines 2-gruppigen Kindergartens im Erdgeschoss, Vereinsräumen im Obergeschoss und Wohnungen im Dachgeschoss ausgegangen.“

Was gibt es nun für nahezu das gleiche Geld bei einem durch den Anbau ramponierten Heimatmuseum? Einen 2-gruppigen Kindergarten (rund 300 qm) mit einer Verspätung von weit über einem halben Jahr, einen nur als Abstellfläche nutzbaren Keller (rund 300 qm) und einen gut 300 qm großen Raum im Obergeschoss, bei dem – bis auf die Nutzung durch die Schlierseer Blasmusik in der Regel an einem Tag in der Woche und angeblich jüngst auch der Alpenchor für ein paar Stunden an einem Abend pro Woche – noch keine weitere Nutzung feststeht.

Auch hat der Gemeinderat bisher, wie die gut unterrichteten Kreise im Ort verlautbaren, keine Nutzungsverträge abgesegnet. Von den früher versprochenen Hand- und Spanndiensten der Vereine spricht auch keiner mehr. Also, die Gemeinde bleibt auf 100% der Kosten sitzen. Wird spannend, welche Nutzungsentgelte in die Gemeindekasse gespült werden.

Schulhaus darf kein Provisorium für Kindergarten sein

Und das nun durch den Bauzeitverzug nötige Provisorium für die Kindergartengruppe für über ein halbes Jahr darf nach dem Willen der DS CSU natürlich auch nicht in dem alten Schulhaus stattfinden. Da würde ansonsten vielleicht die Volksseele hochkochen und ein weiteres Bürgerbegehren kommen.

Das Schlierseer Schulhaus ist noch lange nicht abgerissen, auch wenn dies bereits durch die Mehrheit des Gemeinderats in einer nicht-öffentlichen Sitzung mit demokratischer Mehrheit beschlossen wurde. Die Verwirrung selbst in der Diskussion im Gemeinderat lösen wir im nächsten Beitrag auf.