Anbau Heimatmuseum – Schnapsidee vor zwei Jahren geboren

Die Schnapsidee des Anbaus ans Heimatmuseum feiert im Juli den zweiten Geburtstag. Die vom ausführenden Architekten bei der erstmaligen Vorstellung „grob geschätzten“ Baukosten von rund einer Million Euro sind nun genauso weit weg von der Realität wie die avisierte Bauzeit und das Nutzungskonzept. Zudem gibt es noch die bedenklichen Bauschäden am historischen Denkmal Heimatmuseum. Hier ein kleiner Rückblick.

In der Marktgemeinderatssitzung am 21. Juli 2015 gab es die Sommerpausenüberraschung für die Gemeinderatsmitglieder und die Öffentlichkeit zugleich: fertige Pläne des Architekten Johannes Wegmann – mit dem Bürgermeister offenbar in Absprache schon lange vorher ausgetüftelt.

Mit der Vorstellung dieser Vorentwurfsplanung für die Erweiterung mit einem Anbau an das Heimatmuseum – viele Stimmen im Ort sprechen in der Zwischenzeit von einer Schnapsidee des Bürgermeisters und seiner CSU – nahm alles seinen bis heute unglücklichen Lauf. Der Markt Schliersee benötigt dafür gut Euro 3 Millionen, die eigentlich nicht in der Kasse sind. Die Rücklagen müssen nicht nur vollständig aufgebraucht werden, es bedarf auch noch zusätzlicher Verkäufe von Immobilien zur Finanzierung.

Im Protokoll der öffentlichen Sitzung läßt sich der bisherige Verlauf rekonstruieren: der Architekt „stellt seine Vorentwurfsplanung für den geplanten Anbau an das Heimatmuseum vor. Bei den Nutzungen (KG: Probenraum, Archiv und WC; EG: Ausstellungsraum, Garderobe, Behinderten-WC und Technikraum; OG: Saal mit Bühne und Stuhllager) handelt es sich um Vorschläge, die im Detail mit den Beteiligten zu diskutieren sind.“

Der damalige Zeithorizont war schon bemerkenswert. Der CSU-Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer stellte sein Wunschkonzert vor: „im Herbst des laufenden Jahres den Keller des geplanten Erweiterungsbaus zu erstellen“. Der Bürgermeister wollte mit dem Keller des Anbaus bereits im Herbst 2015 fertig sein.

Noch einmal zur Klarstellung, der nächste Schritt dauerte doch wesentlich länger als vom Bürgermeister und Architekten erhofft: es sollte schnellstens die Planung den Beteiligten – wie etwa Vereinen am Ort – vorgestellt werden. Hinsichtlich einer Beteiligung der an der späteren Nutzung interessierten Vereine an den Baukosten sowie Hand- und Spanndiensten durch die Vereine war ausdrücklich die Rede.

Nicht viel ist von den damaligen Jugendblütenträumen des CSU-Bürgermeisters Franz Schnitzenbaumer und des Architekten Johannes Wegmann – ihres damaligen Sommermärchens – geblieben. Das Fazit: die Baukosten sind gut dreimal so hoch, die Bauzeit mindestens bis Frühjahr 2018 kalkuliert und von Baukostenbeteiligungen sowie Hand- und Spanndiensten redet niemand mehr. Es gab nach Aussagen des Bürgermeisters angeblich auch wenig Resonanz von Vereinen.

Obwohl der GR Dr. Bernd Mayer-Hubner dem Architekten damals noch zum gelungenen Entwurf gratulierte, so gab es damals schon konkrete Nachfragen zu diesem Wunschkonzert ohne konkretes Konzept:

„GR Dürr bittet Herrn Wegmann um Auskunft zu der geplanten Gesamtgeschossfläche, zum geplanten umbauten Raum und über die voraussichtlichen Baukosten. Herr Wegmann informiert darüber, dass die Bruttogeschossfläche pro Ebene ca. 300 m2 beträgt. Die grob geschätzten Baukosten betragen zwischen 1.000 €/m2 und 1.400 €/m2. Die genauen Baukosten müssen zum gegebenen Zeitpunkt berechnet werden.“

Manchmal ist es doch ganz hilfreich, die genehmigten Protokolle Revue passieren zu lassen, um auf des Pudels Kern zu kommen. Wir informieren weiter über diese Dauerbaustelle und die bisherige Entwicklung.