Bund der Selbständigen – wer ist das eigentlich?

Die Wellen der Empörung sind durch Schliersee geschwappt. Der Bund der Selbständigen (BDS) Gewerbeverband Schliersee hat ein Straßenfest, angeblich wegen eines Gemeinderatsmitglieds, abgesagt. Die Öffentlichkeit kratzt sich heute noch mehrheitlich den Kopf, wie das eigentlich alles miteinander zusammenhängen soll, wer dieser BDS ist und was die wahren Hintergründe sind.

Wir wollen daher zur Einführung ein kurzes Porträt des 1951 / 1956 gegründeten (und nach den eigenen Statuten – parteineutralen) Gewerbeverbands bringen, der seit 2008 als Bund der Selbstständigen – Gewerbeverband Bayern e.V. firmiert. Die Schlierseer Dependance hat drei Vorstände: Walter de Alwis (Schlierseer Hof), Antje Lauer (Agentur für Kommunikation) und Albert Zellinger (Ingenieurbüro) – parteineutral?

Die Zusammensetzung der Schlierseer Mitglieder wird zum letzten berichteten Stand 2013 mit zwei Drittel Schlierseer(inne)n und einem Drittel Auswärtigen (sogar ein Mitglied in Wetzlar) angegeben. Die Dachorganisation in Bayern hat eine genaue Mitgliederstruktur erhoben: 93% der BDS-Mitglieder sind unternehmergeführt, 80 % sind Einzel- / Personengesellschaften, 85% sind männlich und die schulische Bildung ist: 27% Hauptschule, 42% Realschule, 31% Gymnasium.

Das Leitbild ist „Gegenwart gestalten, Zukunft sichern“. Weiterhin steht in der Ausrichtung des BDS: „Die Chancen zu ergreifen und die Risiken zu beherrschen, erfordert Mut, Kreativität, Engagement, Selbstvertrauen und Innovationsgeist.“

Wo war nun der Mut zum Straßenfest in Schliersee? Hat es doch noch an dem Donnerstag vor einer Woche eine Sitzung mit Teilnahme des CSU Bürgermeisters gegeben, von der dieser in der letzten öffentlichen Marktgemeinderatssitzung  ausführlich berichtete, bei der keine Absage ausgemacht war. Die Sitzung um 17 Uhr und die Frage an Mitglieder um 17:30 Uhr war nach Aussage des Bürgermeisters eindeutig: Festhalten am Fest. Dies wurde am Freitag vor einer Woche im kleinen Kreis des BDS 180 Grad gedreht: Absage. Was war nun angeblich zu risikoreich? Womöglich die wenigen Einträge von Interessierten in den einschlägigen Facebookseiten zum Straßenfest?

Der Bürgermeister äußerte sich öffentlich: „Ich stehe hinter der Entscheidung des BDS genauso“, genauso, wie er am Vortag dafür war. Interessant. Das Fazit des Bürgermeisters: „Man steht zur BDS“.

Warum eigentlich? Vielleicht weil die meisten Schlierseer BDS-Mitglieder dem Einzugsbereich DIE SCHLIERSEER CSU zuzurechnen sind? Der geneigte Leser kann sich gerne ein eigenes Bild machen.  Übrigens ist die Satzung des BdS auch ganz aufschlußreich: § 2 Zweck und Ziele – „3. Der Verband dient keinen Erwerbszwecken, ist kein Fachverband und verfolgt keine parteipolitischen … Ziele.“ Dann sollte das Partei- oder Mitgliederbuch also keine Rolle bei nicht erwerbsmäßigen Zielen spielen.  Parteineutral und unabhängig sollte dieses Netzwerk eigentlich agieren.

Übrigens ist ein Blick in den Internetauftritt des BDS Schliersee interessant: die Chronik endet 2015, beworben wird immer noch die Osteraktion 2016, die Terminvorschau endet am 2. April 2016 und „Die Aktionen der Schlierseer Geschäfte hier online“ ist ohne Verweis. Es tut sich offenbar nicht sehr viel beim BDS. Vielleicht ist das ja der wahre Grund der Absage des Straßenfests. „Die Homepage der Schlierseer Unternehmer“ (korrekt wäre: einiger statt der Unternehmer) ist summa summarum dringend aktualisierungsbedürftig – und übrigens: von der Absage des 2017er Festes bisher kein Wort.