Heimatmuseumsanbau – da hilft nur noch beten!

Gott sei Dank ist die Mauer des jahrhundertealten Schlierseer Heimatmuseums noch nicht eingestürzt. Die Risse im denkmalgeschützten Juwel sind aber bedenklich. Hinter vorgehaltener Hand wird selbst von wahren Insidern der schwarze Peter der Schuldzuweisung schon weitergeschoben. Die hektischen Aktivitäten der Verantwortlichen bei den Baugruben vor Ort ist eher beunruhigend. Da hilft es dem Bürger wenig zur Beruhigung, wenn ein dem Anbau früher positiv (ab)gestimmter Gemeinderat mit Fotoapparat den Baustellenwahnsinn dokumentiert.

Die geradezu dramatischen Ereignisse der letzten Tage wurden ja schon im Gemeinderat vor dem Beschluss eines mindestens Euro 3,1 Mio. teuren Anbaus an die Wand gemalt. Nicht nur die Protokolle zu den Sitzungen sprechen schon Bände. Selbst früher überzeugte Befürworter der demokratischen Mehrheitsentscheidung im Gemeinderat kommen derzeit ins Straucheln. Der Gegenwind aus der Öffentlichkeit pfeift ihnen langsam und stetig entgegen. Und manche erinnern sich ungern an die von den mündigen Bürgern erteilte Klatsche bei der geplanten Ansiedlung um Sixtus am See.

Wer ist jetzt also für dieses Debakel rund um das Heimatmuseum eigentlich verantwortlich? Wer zahlt die wahrscheinlich erhöhten Kosten? Wer ist für den weiteren Bauzeitverzug zur Rechenschaft zu ziehen? Wie geht es nun mit dem zum Schuljahresbeginn versprochenen neuen Kindergarten weiter?

Fragen über Fragen. Es bleibt jedoch nur der interne Zwist um einen eigentlich vermeidbaren handwerklichen Fehler. Wäre nicht schon in den Gemeinderatssitzungen ausführlich über eben diese Problematik der Gefährdung des Baudenkmals Heimatmuseum gesprochen worden. Da wird von Verantwortlichen an höchster Stelle von „Mist“ und „das hätte nicht passieren dürfen“ gesprochen. „Gott sei Dank ist die Wand nicht eingefallen“.

Die Wand ist nämlich das Untersuchungsobjekt. Der von der Gemeinde, dem Amt und der Forstverwaltung gezahlte Bauforscher muss erst einmal herausfinden, was es mit der Wand auf sich hat. Es wird von allen Seiten nur spekuliert, aber die Untersuchung und Ergebnisse stehen noch aus. Selbst der viel zitierte Durchgang (vom geplanten Neubau zum Baudenkmal von 1447) direkt neben dem Waldecker-Saal – für einen zweiten brandtechnischen Fluchtweg – ist noch offen. Von der Anbindung des Daches derzeit ganz zu schweigen.

Die Vitrine vor dem für die Zukunft vorgesehenen Durchgang muss erst einmal wieder herausgenommen werden, damit der Bauforscher einen Zugang zum Objekt der Begierde erhält. Man weiß in der Zwischenzeit schlußendlich, dass man nichts oder zumindest noch nicht viel weiß. Die hektische Aktivität in der Umsetzung des Bauvorhabens, mit den nun dabei entstandenen groben Schnitzern, entspricht nicht der normalen Vorgehensweise beim Denkmalschutz, so aus verantwortlicher Quelle.

Die Wand erinnert uns zumindest an die Zeiten von Napoleon. Angeblich gibt es Unterlagen aus der Zeit von 1818 zu der „Wand“, die wahrscheinlich ursprünglich zu einem direkt angebauten Nachbarhaus gehörte. Die Aufarbeitung der Historie dieses Baudenkmals und die Umsetzung danach wird uns noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir werden weiter berichten und verweisen auf unsere diversen Artikel – diese sind leicht unter „Heimatmuseum“ in der Suchfunktion auf unserer Online Zeitung erhältlich. Bleibt als Fazit in der Zwischenzeit nur zu wünschen: Hoffentlich gibt es kein Waterloo für Schliersee.