Wieviel Haus braucht der Mensch?

Nach der Bauausschusssitzung vom Dienstag und der in letzter Zeit exponentiellen Verdichtung im Markt Schliersee – z.B.: „Kroha und der Ausverkauf von Neuhaus – aus 1 mach 17!“ – drängt sich die Überlegung vom genialen Dieter Wieland in seiner BR alpha Dokumentation aus dem Jahr 2003 auf: „Wieviel Haus braucht der Mensch?“ Gepaart mit den einfühlsamen Worten des gerade verstorbenen früheren Kreisbaumeisters von Miesbach, Karl Roman Schmid, kommt man doch zum Grübeln: „Die große Kunst, ein kleines Haus zu bauen.“

„Aber die zwei Bewohner sind glücklich und vollauf zufrieden mit ihrem kleinen Haus. Die Schriftstellerin Adelheid Schmid und ihr Mann, ein großer Kenner vom Fach, der Architekt und frühere kämpferische Kreisbaumeister von Miesbach, Karl Schmid.“ (Beitrag vom BR von 0:00 bis 8:45). Originalton Schmid: „Und dann noch des wegfallt, was heute vollkommen sinnlos gebaut wird, diese riesen Verkehrsflächen, wenn man von Raum zu Raum geht …“ ist eine legendäre Aussage des fast drei Jahrzehnte prägenden früheren Kreisbaumeisters im Oberland.

Anständig, sensibel, geschichtsbewusst und maßvoll

Da bleibt im Angedenken an den früheren Kreisheimatpfleger Karl Roman Schmid nur nochmals seine Essenz festzuhalten: Bauen muss anständig, sensibel, geschichtsbewusst und maßvoll sein. Nicht zuletzt hat der entschlossene Kämpfer Schmid selbst über die Jahre die braunen Dächer im Landkreis auf die Farbe Miesbacher Rot getrimmt.

Es braucht auch in der Zukunft wieder Menschen in verantwortungsvollen Positionen, die eine Führungsfunktion auch ausfüllen können und sich durchsetzen, so wie es eben Schmid war und Dieter Wieland ist. Selbst wenn mit ihnen nicht immer gut Kirschen essen ist, die Nachwelt hat wertvolle Tips bekommen.

Ein Lob übrigens auch auf den Arbeitskreis „Qualitätsvolles Bauen im Landkreis Miesbach“, der auch teilweise in den Fussstapfen des engagierten Karl Schmid folgend, die lokale Baukultur unterstützt und wieder fördern will. So hat dieser Arbeitskreis auch an der von einem PWG Gemeinderat beantragten Überarbeitung der Gestaltungssatzung für den Markt Schliersee maßgeblich mitgearbeitet.

Achten, bewahren und Rücksicht auf die Umgebung

Wäre für den Markt Schliersee nur noch zu wünschen, dass die Lehren vom zuletzt im Neuhauser Altenheim lebenden Altkreisbaumeister Schmid den Gemeinderäten bei der konsequenten Umsetzung der Ortssatzung in den Ohren hallen: Achten, bewahren, sensibel und mit Rücksicht auf die Umgebung bauen.

Bleibt zum Schluß nur noch diese entscheidende philosophische und praktische Frage: Wieviel Haus braucht ein Mensch?

Ist ein Einzelzimmer mit 29 qm wirklich nötig? Werden bei über 1.000 qm Nutzfläche für ein Gästehaus mit 12 Gästebetten – mit Betreiberwohnung – in einem sensiblen Aussenbereich von Fischhausen gleich neben dem See Rücksicht auf die Umgebung genommen, speziell bei einem ein paar Meter entfernten Bayerischen Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert? Bedeutet das achten und bewahren?

Da sollte sich der an diesem unsensiblen und rücksichtslosen monatelangen Schwarzbau persönlich beteiligte CSU Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer doch einmal die Gedanken vom gerade eben verstorbenen Karl Schmid auf der Zunge zergehen lassen und zu eigen machen.