Vogelhaus an Berg gepappt

Erneute Behandlung des Antrags auf Neubau eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage, FlNr. 2067/3 und 2067/9, Dekan-Maier-Weg 32. Das hört sich doch erst ganz unspektakulär an. Spektakulär sieht es jedoch schon in der Planung aus. Die Wirklichkeit lässt nicht lange auf sich warten: Mit fünf Stimmen der DS-CSU-Grünen wurde es gegen zwei Stimmen der Opposition der Vernunft genehmigt. Mit vielen und drastischen Ausnahmen zur bestehenden Ortssatzung.

„Das Gebäude fügt sich aufgrund der Formsache nicht in die umgebende Bebauung ein. Durch die stirnseitig schiefen Wände weicht das Gebäude auch vom Grundsatz der Gestaltungssatzung ab, wonach seine Errichtung der Kulturlandschaft des Oberlandes Rechnung tragen soll.“ Dieses Zitat aus dem Beschlussvorschlag zu dem Tagesordnungspunkt 1 der gestrigen Bauausschusssitzung spricht eigentlich schon Bände. Die Grundfläche des geplanten Hauses beträgt rund 190 qm und hat in sich einen Gefälleunterschied von gut 5 Metern, bei einer Geländeneigung von gut 50%. Anfangs ging die Diskussion nur um die hölzernen Dachschindeln und die Vereinbarkeit mit der Ortssatzung.

Der Bürgermeister sagte selbst: „Extrem schwieriges Gelände.“ GR Mödl spricht sich für die von der Ortssatzung abweichenden Holzschindeln ein, ebenso wie die 2. Bürgermeisterin Wunderle, die auf das dem Sitzungssaal gegenüberliegende Pfarrgebäude zeigte. GR Waas von den Grünen wies sogar darauf hin, dass hier ein Fehler in der kürzlich erst erneuerten Gestaltungssatzung liegt. Wir würden uns auf Leserzuschriften freuen, die den gesamten Bestand mit Holzschindeln in Schliersee angeben könnten.

Da waren die mahnenden Worte des von der Gemeinde engagierten Beraters und Architekten Blees die willkommene Ausnahme: „Wenn wir alles zulassen, was nicht in der Ortssatzung steht, dann können wir es gleich lassen.“ Dies beeindruckte die DS-CSU-Grüne Fraktion im Bauausschuss nicht. GR Weitl mahnte, das gesetzlich verankerte Einfügungsgebot zu beachten. „Das ist ein urbanes Haus, es geht nicht an diesem Platz, es gibt andere Möglichkeiten.“ Auch seine Stimme verhallte.

Die beabsichtigten meterhohen Geländeveränderungen und -anschüttungen wurden also auch mehrheitlich genehmigt, die Bebauung bis zur Grundstücksgrenze, die von oben im 1. Stock befahrbare Doppelgarage (möglicherweise mit Seeblick) neben den Schlafzimmern nimmt etwa ein Drittel des Obergeschosses ein und wird im Haus integriert. Da bleibt dann noch die wesentliche Abweichung von der Wandhöhe. Positiv ist die Lärchenholzschalung. Ob die Lärchenholzschindeln sich dem EInfügungsgebot unterordnen wird sich nach Fertigstellung zeigen. Ein Wermutstropfen ist für die Nachbarn, dass ein erfahrener Baugrundgutachter die neue Baugrube laufend überwachen sollte. Das Landesamt für Umwelt wies erst neulich auf das im Bereich der Gefahrenhinweiskarte zu Geogefahren befindliche Bauvorhaben mit einer möglichen Gefährdung durch Rutschungen im Extremfall hin. Aufgrund des unsicheren Baugrundes bedarf es zusätzlich eines Standsicherheitsgutachtens.

Da stellt sich für den geneigten Leser die Frage: Muss man den unbedingt in solchen Extremlagen bauen, die Gestaltungssatzung missachten und dann auch das Haus noch von der eigentlich giebelseitigen zum See vorgeschriebenen Form um 90 Grad drehen, dass der fast 18 Meter lange Riegel mit einer giebelseitigen Aufstellung auch den maximalen Seeblick erhält? Was denken sich nun die früheren Bauwerber, denen dieses Privileg nicht erteilt wurde? Was wird mit den zukünftigen Bauanträgen passieren, wenn ein Bezugsfall mehr im Ort geschaffen wurde – demokratisch mehrheitlich gedeckt?

Übrigens ist der Entwurfsverfasser dieses Vogelhauses am Dekan-Maier-Weg im Nebenberuf auch unser Kreisheimatpfleger vom Landkreis Miesbach beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V.