Kroha und der Ausverkauf von Neuhaus – aus 1 mach 17!

Da ist selbst hartgesottenen Zuhörern der Bauausschusssitzung in Schliersee die Spucke weggeblieben: Der Immobilienspekulant Kroha hat mit seiner Firma ImmoInvest – nach dem Ab- und Ausverkauf der alten Sixtuswerke mit damals 21 Wohnungen – wieder zugeschlagen. Er kauft ein Haus in der Waldschmidtstraße 16b und darf in der Zukunft drei Mehrfamilienhäuser auf dem Grundstück, das dann fast vollständig versiegelt ist, durch den nun genehmigten Bauvorbescheid sein eigen nennen -> Ergebnis: aus einem Haus werden 17 Wohneinheiten. Da wird aus Neuhaus womöglich bald Neuperlach, so Marktgemeinderat Gerhard Weitl.

In Deutschland darf man nach drei Regeln bauen: § 34 BauGB regelt den Innenbereich, § 35 den Außenbereich und zuletzt bleiben diverse Möglichkeiten von Bebauungsplänen für die Kommune, um das Bauen zu ermöglichen, einzuschränken oder zu verhindern.

Die Diskussion in der Bauausschusssitzung vom 2. März war ein interessantes Spektakel, eine Theateraufführung mit dem Drehbuch der DSCSU, der „Die Schlierseer CSU“ um den Bürgermeister Schnizenbaumer, die 2. Bürgermeisterin Wunderle, dem – den Bürgermeister hörigen – Gärtnereimitarbeiter / Gemeindearbeiter Höltschl jun. auf der „abhängig schwarzen“ Seite und den „unabhängigen schwarzen“ unter der Flagge von Gemeinderat Mödl.

Die Diskussion startete mit GRZ und GFZ. Hier hilft Wikipedia über das Maß der baulichen Nutzung:

„Das Maß der baulichen Nutzung ist als Angabe über die Intensität einer Grundstücksausnutzung und Bewertungskriterium in Deutschland Bestandteil des öffentlichen Baurechts, speziell des Bauplanungsrechts, und stellt ein wichtiges städtebauliches Steuerungsinstrument des BauGBs (Baugesetzbuch) dar. Es dient dazu, eine geordnete städtebauliche Nutzung zu gewährleisten. Dabei erfolgt meist eine Beschränkung der Bebauungsdichte. Neben der „Art der baulichen Nutzung“ ist es das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Zulässigkeit eines Bauvorhabens im Geltungsbereich eines Bebauungsplans (B-Plan) oder innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils. Die gesetzlichen Definitionen und Richtwerte finden sich in der Baunutzungsverordnung (BauNVO) ab §§ 16 ff.

Das Maß der baulichen Nutzung wird durch die Grundflächenzahl (abgekürzt GRZ), die Geschossflächenzahl (GFZ) und die Baumassenzahl (BMZ), sowie durch die Anzahl der Vollgeschosse oder die Höhe (z. B. Erdgeschossfußbodenhöhe, TraufhöheFirsthöhe) der baulichen Anlage bestimmt. Das zulässige Maß der baulichen Nutzung ergibt sich entweder durch die Festsetzungen eines Bebauungsplans oder innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils nach der Eigenart der näheren Umgebung (Einfügungsgebot).“

Also, wichtig ist das Einfügungsgebot!!! Einige Zitate der Unterstützer vom Immobilienspekulanten Kroha -> DS MGR Mödl schlug die Schneise für die drei Mehrfamilienhäuser mit 17 Wohneinheiten: „Ich will es bloß verstehen“; „Ich finde es nicht so schlecht“. Da dauerte es natürlich nicht lange, bevor der Erfüllungsgehilfe Höltschl jun. seine Bildung unter Beweis stellte: „Des is a lockere Sach“; „Im Innenbereich verdichten wir“. Der Bürgermeister massierte das Thema ein wenig: „Keine lockere Bebauung“; „Maximal ausgereizt“; „Grenzwertig von der Massivität“ und „Hier gibt es keine Wahrheit, nur Meinungen.“ Schlußendlich haben die DSCSU mit ihrer Mehrheit die ganze Sache mit 4 zu 3 Stimmen zum Bauvorbescheid gebracht und damit Baurecht geschaffen.

Den Vorschlag der Verwaltung, der Bauamtsleiterin Frau Kienast, und auch der Empfehlung des von der Gemeinde fest engagierten beratenden Architekten Herrn Blees zu einer Veränderungssperre und einer Aufstellung eines Bebauungsplanes bzw. der Einbeziehung in den B-Plan auf der anderen Straßenseite wurde vom MGR Mödl und der 2. Bürgermeister Wunderle vehement bekämpft. Zwischendurch werden vom Kroha-Architekten Wagenpfeil Pläne an die Bauamtsleitung weitergereicht, die natürlich von den 6 Ausschussmitgliedern und dem Bürgermeister nicht eingesehen wurden. Eine unübliche und auch nicht korrekte Art und Weise der Beeinflussung, da natürlich eine Frist für die Einreichung von Plänen existiert, damit sich die Gemeinderäte einarbeiten können.

Die Bauamtsleiterin wies extra darauf hin, dass der Beschluss eines Vorbescheides bindend ist, für die Fläche und die Kubatur. Dies war nicht nur nach dem Gesichtsausdruck für die 2. Bürgermeisterin neu. Frau Wunderle: „Krass einen Bebauungsplan darüber zuziehen“; „Wo fängt man an, wo hört man auf?“. Da ist es scheinbar einfacher einfach einem der DSCSU gefälligen Immobilienhai die wildesten Wünsche zu ermöglichen.

 

Fortsetzung folgt.

3 Antworten auf „Kroha und der Ausverkauf von Neuhaus – aus 1 mach 17!“

  1. Was mutet uns der Gemeinderat in Schliersee zu? Vollkommen unverständlich. Wir Neuhauser müssen hilflos zusehen, wie hier mit massivster Verbauung dieser wunderschöner Ortsteil zerstört wird. Ich glaube, es sollte jeder Gemeinderat seine Beweggründe offenlegen. Nur so, ist es möglich wildeste Spekulationen zu vermeiden. Dass viele Entscheidungen hinter verschlossenen Türen passieren macht es nicht leichter.
    Aber auch alle andere Bürger sollten dran denken, dass eine so massiven Bebauung ein Vorreiter für weitere Gebäudekomplexe sein kann.

  2. Schlimme Entwicklungen mittlerweile auch in Neuhaus. Massive Baumfällungen, extreme Verdichtungen und Versiegelungen – die Natur und Landschaft bleibt auf der Strecke.