(K)ein „Angriffskrieg“ der Bundeswehr am Spitzing?!

Das Landratsamt Miesbach hat am 14. Dezember auf der Landkreis-Internetseite die Übung einer Einheit der Bundeswehr vom 16. Januar bis zum 3. Februar angekündigt. Der „Angriffskrieg“ – pikanterweise seit dem 1. Januar 2017 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen – fällt jedoch aus. Entgegen anderslautenden Meldungen des Miesbacher Merkurs von gestern gibt es kein Manöver mit militärischen Sprengmitteln und Fundmunition. Lediglich 25 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 – mit sieben nicht-gepanzerten Autos – kommen ins herrliche und winterliche Schliersee, um ihr Gebirgsleistungsabzeichen Winter zu absolvieren. Skitouren gehen, Biwak, Iglus bauen, im Winter einfach überleben, so wie man sich die Outdooraktivitäten vorstellt.

Die Meldung des Landratsamtes im Original: https://www.landkreis-miesbach.de/Bürgerservice/Bundeswehr-kündigt-Bergmanöver-an.php?object=tx,2716.5&ModID=7&FID=2823.62.1

Die „militärischen Übungen im freien Gelände“ sind mitnichten mit scharfer Munition oder Sprengmitteln. Es geht vielmehr um die Grundausbildung einer Einheit von 25 Soldaten aus Ingolstadt. Deren Chef, Kommandeur und Brigadegeneral Alexander Sollfrank, wird sich vor lauter Lachen auf die Schenkel klopfen. Seine 0,47% Stärke der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ – Teil der 10. Panzerdivision – bereitet einen „Angriffskrieg“ im Spitzing vor. Das erinnert an alte Zeiten, als FJS davon sprach, dass die Freiwillige Passauer Feuerwehr reiche, Österreich anzugreifen oder Deutschland gegen das Österreichische Bundesheer zu verteidigen.

Spaß beiseite, die sieben Autos der auszubildenden Soldaten sind nach Auskunft des Landeskommandos Bayern der Bundeswehr nicht gepanzert. Die Outdooraktivitäten der vor dem Umzug nach Ingolstadt früher in Brandenburg stationierten Einheit sind eher touristischer Natur: Skitouren gehen, Biwak, Iglu bauen, alles, was zum Überleben im Winter dazugehört. Nach erfolgreich bestandenem Kurs gibt es dann das Gebirgsleistungsabzeichen Winter, das ein Gebirge in weiß darstellt und an der linken Seite der Bergmütze getragen wird.

Was hat die Einheit für einen Auftrag? Wikipedia weiß mehr: „Die Brigade führt im multinationalen Rahmen Operationen im gesamten Intensitätsspektrum durch und ist besonders befähigt für den Einsatz im schwierigsten Gelände und unter extremen Klima- und Witterungsbedingungen. Dabei ist das Gebirge als wertvolles Ausbildungsmittel Grundlage und Voraussetzung für das Erreichen und den Erhalt dieser besonderen Befähigung. Neben dem Einsatz im Gebirge, Hochgebirge und im arktischen Gelände ist der Einsatz in der Wüste ein Schwerpunkt.“

Wenn Sie ein Foto der Outdooraktivitäten in dem rund 4 km großen Radius um den Spitzingsee ergattern können, die Redaktion würde sich darüber sehr freuen und es veröffentlichen. Es wird nämlich gar nicht so leicht werden, die 25 Soldaten in den gut 25 Quadratkilometer am Spitzing zu finden.

Für Ortskundige: Das Übungsgebiet der Bundeswehr vom 16. Januar bis zum 3. Februar ist im Nordwesten von der auf 1.250 m hoch gelegenen Raineralm (auf dem Weg vom Hennerer zur Bodenschneidalm), dann geht es gut 5 km nach Osten über die Stockeralm und die Spitzingstraße zur Benzingalm (bereits ein Zipfel von Fischbach gleich neben dem Jägerkamp). Von diesem nordöstlichen Punkt geht eine rund 5 km lange Linie nach Süden zur Petzingalm vor den Pfannbergen. Der südwestliche Zipfel ist dann bei der Ankerstube in Rottach-Egern (Bushaltestelle Valepp zur Sutten).

Insgesamt ist die Fläche rund ein Viertel des Gemeindegebietes von Schliersee. Es wird also ein wahres Versteckspiel sein. Einen der 25 in den Höhenlagen von 1.000 bis 1.700 m zu sichten ist wie eine Nadel im Heuhaufen, natürlich saisonbedingt im Schnee, zu finden. Außerdem ist nahezu die Hälfte des „Manövergebietes“ von Natura 2000 gedeckt: Die Fauna-Flora-Habitat Richtlinie von 1992 sichert natürlich auch unseren Gämsen (Rupicapra rupicapra), Steinböcken (Capra ibex) und vielleicht auch unserem Wolf (Canis lupus) während der Übung Schutz. Gemäß Artikel 12 zum Artenschutz werden die angehenden Gebirgsjägerabzeichenträger Winter die natürlichen Lebensräume sowie die wild lebenden Tiere und Pflanzen erhalten, denn jede absichtliche Störung dieser Arten, insbesondere während Fortpflanzung-, Aufzucht-, Überwinterung- und Wanderungszeit ist verboten.

Nachdem sich der Spitzigsee und das Skigebiet mit allen Liften mitten in dem Übungsgebiet befindet kann es aber auch durchaus möglich sein, dass jemand einen Soldaten auf gepflegter Piste sichtet. „Horrido – Joho“