Über 3 Mio. Euro für den Anbau ans Heimatmuseum

In der gestrigen Marktgemeinderatssitzung platzte eine Bombe, die eigentlich so gar nicht erwartet wurde: Die neue Kostenschätzung für den – vom Bürgermeister im Juli 2015 ins Spiel gebrachten – Anbau ans Heimatmuseum ist nach Aussagen des Planers und Architekten Johannes Wegmann voraussichtlich Euro 3,1 Mio. Zudem bezeichnet er auch die zeitliche Vorgabe des Einzugs vom Kindergarten bis zum September „mehr als sportlich“ und rät zu Überlegungen für Zwischenlösungen.

Rekapitulation: In der Marktgemeinderatssitzung vom Juli letzten Jahres brachte der Bürgermeister eine Idee zum Nachdenken in der Sommerpause ins Spiel, den Anbau des Heimatmuseums mit einer Grundfläche von 17 x 18 Metern, also gut 300 qm Geschossfläche.

Damals waren noch im Erdgeschoss eine Ausstellungsfläche von knapp 140 qm und ein barrierefreies WC sowie Technikraum geplant, im Obergeschoss ein Saal mit gut 150 qm, ein Stuhllager sowie eine Küche und zuletzt im Keller WCs mit 40 qm, einem Proberaum mit 50 qm, ein gleich großes Gemeindearchiv und weitere 45 qm für Archive von Vereinen. Der Keller sollte nach Aussagen des Bürgermeisters bereits im Jahr 2015 geschaffen werden.

Was ist passiert? Nichts! Wieder einmal eine Finte des Herrn Schnitzenbaumer. Selbst ein Jahr später war noch kein Gemeinderatsbeschluss dafür herbeigeführt, trotz mehrmaliger Anträge in den Sitzungen.

Die Kostenschätzung des ursprünglich geplanten Anbaus waren nach Aussagen des Planers und Architekten damals Euro 1 Mio., für gut 550 qm Nutzfläche in den drei Geschossen (KG, EG, OG). Dazu kommen noch Gänge und Treppen.

Kapitulation: Gestern wurde mit einer Mehrheit von 18 zu 2 Stimmen im Marktgemeinderat die Entwurfs- / Genehmigungsplanung und die exakte Kostenberechnung auf den Weg gebracht. Das bedeutet, nun wird für mindestens Euro 3,1 Mio. ein einzigartiges Denkmal (älteste bisher dokumentierte Wand von 1406 a.D.) angebaut. Für die Grundfläche von gut 300 qm und drei Geschosse ergibt sich inclusive Aussenanlagen ein bisheriger Preis von Euro 1 Mio. oder über Euro 3.300 pro qm. Sicherlich ein stattlicher Betrag. Insbesondere, wenn man mit über Euro 14 Mio. Schulden die desolate Haushaltslage ansieht. Weiterhin sollte ja für über Euro 5 Mio. (manche sprechen von Euro 6 Mio.) ab 2017 die neue Turnhalle gebaut werden (dazu mehr nach dem morgigen Gerichtstermin am bayerischen Verwaltungsgericht).

Nun ist die Planung auf den Kindergarten im Erdgeschoss zugeschnitten. Dort sollen zwei Gruppenräume mit rund 50 qm entstehen, WCs und eine kleine Küchenzeile. Die Regierung kalkuliert bei Kindergärten derzeit gut Euro 500.000 pro Gruppe, macht also bei den zwei neu geplanten Gruppen bei 50 % Förderung und der Deckelung bei 200 qm eine Fördersumme von zusammen Euro 400.000, die der Markt Schliersee maximal zurückerstattet bekommt (so die Aussagen der Kämmerin).

Wie setzen sich also nun die in der ersten Kostenschätzung genannten über 3 Mio. Euro zusammen? Der Kindergarten soll nach Aussagen des Architekten einen Anteil von 30 % an der Gesamtfläche haben. Ein Regulierungsfaktor von 13 % für den Landkreis Missbach ist einkalkuliert, die Haustechnik in Höhe von rund 20 % ebenso wie die Nebenkosten in Höhe von rund 23 %. Weiterhin sind die Aussenanlagen beinhaltet, was zusammen einen Betrag in Höhe von Euro 3,1 Mio. ergibt.

Da ist erst einmal den meisten Gemeinderäten der Kloß im Hals stecken geblieben. Die Kosten also doch mindestens dreimal so hoch, wie noch vor gut einem Jahr geschätzt (und damals schon von einigen Gemeinderäten in Frage gestellt). Die Brutto-Geschossfläche wurde mit 1.840 qm beziffert, wovon 43 % Gemeinflächen seien.

Das obige Szenario ist unter günstigsten Bedingungen. Keiner kann heute beurteilen, was es noch für weitere Probleme und Baukostenmehrungen geben wird. Es steht aber sicherlich fest, dass dies ein gewagtes Unterfangen wird. So liegt die Unterkante der Bodenplatte rund 4,5 Meter unter dem derzeitigen Niveau des Heimatmuseums. Dieses gut 600 Jahre alte Baudenkmal wird hoffentlich bei den nötigen Ausgrabungen für die Unterkellerung des Anbaus richtig unterfangen, damit es uns auch noch weiterhin überdauern kann. Es ist jedoch fraglich, wie der Untergrund aussieht und ob möglicherweise Gründungen oder anderweitige zusätzliche Maßnahmen notwendig würden.

Schliersees Jugendblütenträume werden im Gemeinderat in unterschiedliche Richtungen gelebt. Da bleibt nur eine Überlegung zum Schluß: Was könnte man mit den gut drei Millionen Euro im vor gut 100 Jahren gestifteten Schulhaus anfangen? Es könnte wieder mit anmutigen Sprossenfenstern, einer historischen Fassade, energetisch saniert etc. in seiner früheren Blüte erwachen, der Kindergarten hätte mannigfaltige wesentlich größere Räume (frühere Klassenzimmer mit jeweils rund 80 qm), die wären zum September sicher einzugsfertig, die Schulturnhalle ist direkt daneben und könnte auch dementsprechend renoviert werden. Der Bach würde freigelegt, die Freiflächen für den Kindergarten im derzeit asphaltierten Pausenhof wären bei Renaturierung ein Traum für Eltern und Kinder. Die Vereine wie die Schlierseer Blasmusik u.a. hätten entsprechende Übungsräume. Es wäre schön, wenn hier eine aktive Bürgerbeteiligung unterstützt würde.

Die „alte Schlierseer Schule“ mit einer Länge von über 50 m und 20 m Breite hat eine Grundfläche von über 1.000 qm. Mit EG, OG, DG und KG gibt es also ein Vielfaches an Geschossfläche zu dem geplanten Anbau an Heimatmuseum. Wären da die Millionen nicht besser angelegt?