Philipp Lahm und Schliersee

Was verbindet den Fußballer Philipp Lahm mit der Marktgemeinde Schliersee. Nichts. Noch nichts. Oder vielleicht niemals nichts!

Der sich selbst gern als Saubermann darstellende Fußballer des FC Bayern positioniert sich gerade dieser Tage für höhere Weihen in seinem Verein. Über diverse Medien wird spekuliert, dass Philipp Lahm eine Rolle im Bayern-Vorstand ab 2018 übernehmen könnte, wenn er seine Schuhe an den Nagel hängen will.

Wie die Schlierseer Zeitung bereits berichtete, Lahm hat nun Schliersee im Visier. Er beteiligte sich im vergangenen Jahr an der neuen Sixtus-Gruppierung um den Miesbacher Schachtelproduzenten Kroha. Diese am 2. Januar 2013 gegründete neue Sixtus Werke Schliersee GmbH erhielt mit der Philipp Lahm Holding aus Hausham einen neuen 50% Gesellschafter.

Aber nun der Reihe nach: Sixtus gibt es zwar seit 1931 (so wie derzeit vollmundig beworben und großspurig an Plakatwänden zugepflastert), aber eben nicht die heutige Sixtus. Die Familie Richter und dann Becker waren die Garanten, bis die verbliebenen drei Becker-Brüder als Söhne des Patriachen Becker ihr Familienunternehmen für einen symbolischen Euro, so gut unterrichtete Kreise, an den Miesbacher Schachtelfabrikanten Kroha verkaufen mußten.

Am Anfang gab es einen Unternehmer Ernst Homolka, der seine Beteiligungsfirma in diesen Deal einbrachte: die HomKa Beteiligungs GmbH mit einem Stammkapital von Euro 100.000 wurde am 2. Januar 2013 von Rosenheim nach Hauham (Industriestrasse 8-9) verlegt, darin liegen seitdem die Vermögenswerte der alten Sixtus aus Schliersee, eben für einen symbolischen Euro – inclusive Markenrechte, Maschinen und mehr.

Bei der HomKa Beteiligungs GmbH war Franz Kroha aus Miesbach auch Gesellschafter. Um nun der ganzen Sache ein neues Kleid zu geben, am 11. März 2013 wurde die Firma umbenannt: Sixtus Werke Schliersee GmbH. Am 18. Juli 2013 setzte Herr Kroha seine Vertraute Petra Reindl als Geschäftsführerin ein und Ernst Homolka schied aus. Es wird gemunkelt Homolka wurde herausgemobbt, da seine Pläne (er wollte den guten deutschen Namen in China nutzen) für die Zukunft der Marke Sixtus nicht so eingeschränkt waren, wie die später verwirklichten. Homolka verkaufte auch seine Gesellschaftsanteile als Ergebnis daraus an eine Firma von Franz Kroha. Am 16. September 2015 – über zwei Jahre nach dem Asset-Deal – wird schließlich der Unternehmensgegenstand im Handelsregister angepaßt:

Neuer Unternehmensgegenstand: a) Herstellung, Bearbeitung, Verarbeitung und Vertrieb, sowie Handel mit Gütern aller Art, insbesondere von und mit kosmetischen Körperpflegemitteln, Badezusätzen und zugehörigen Geräten, soweit keine behördliche Erlaubnis erforderlich ist. Die EU Kosmetikverordnung und darauf basierende Rechtsakte stellen keine behördlichen Erlaubnisse i.S.d. vorstehenden Satzes dar. b) Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Anwendung der Gegenstände gemäß lit. a), insbesondere im Zusammenhang mit der Betreuung sportlicher Veranstaltungen. c) Beteiligung an anderen Unternehmen.

Die EU-Kosmetikverordnung wurde explizit aufgenommen. Und auch Philipp Lahm als neuer Gesellschafter. Indikationen oder die Details zum Kaufpreis für die Hälfte von Sixtus neu werden erst bei der Hinterlegung der 2015er Bilanz der Öffentlichkeit bereitet.

Aus der im Bundesanzeiger veröffentlichten Sixtus Werke Schliersee GmbH Bilanz des Jahres 2014 ergibt sich die nicht sehr rosige wirtschaftliche Situation: Verluste im Millionenbereich, Rangrücktrittserklärungen und Patronatserklärungen ebenso im Millionenbereich, um nicht insolvenzrechtlich überschuldet zu sein. Eben hier steigt unser Fußballer Lahm ein.

Hierfür wurde eigens am 28. April 2015 eine neue Firma mit Euro 25.000 Stammkapital gegründet: Philipp Lahm Holding GmbH, mit dem Geschäftsführer Roman Grill. Zuerst mit Sitz in München (bei acta 7 / Grill), dann ab dem 27. November 2015 unter der Hausanschrift des Mitgesellschafters in Hausham. Herr Lahm hält 80% und Herr Grill 20% der Geschäftsanteile, diese Zahlen machen die Runde.

Warum ist dieser historische Abriss nötig? „Das wachsende Business-Imperium des Philipp Lahm“ basiert auf einigen kleinen, neuen, insolventen und scheinbar billigen Investments.

Klein? Fanmiles GmbH, Berlin, gibt es seit dem 12. Juni 2012. Die letzte veröffentlichte Bilanz aus dem Jahr 2013 beurkundet die kleine Struktur anhand der wenigen Mitarbeiter.

Neu? Die Brückenköofe GmbH, Berlin, am 29. Februar 2016 gegründet. Lahm hat sich an diesem gerade erst entstandenen „Think Tank und Entscheidungsagentur“ beteiligt.

Insolvent? Schneekoppe GmbH zu 100% gehalten durch die Schneekoppe Nutrition GmbH. Am 12. August wird durch den Beschluss des Amtsgerichts Tostedt (vom 8. August 2016) die Anordnung der Überwachung der Erfüllung des Insolvenzplans aufgehoben. Die Schneekoppe Nutrition GmbH, Krefeld, hat seit dem 13. Juni mit der Philipp Lahm Holding GmbH, Hausham, einen neuen dritten Gesellschafter. Das Insolvenzverfahren von Schneekoppe ist zwar nun seit zwei Wochen beendet, aber bei einer erneuten Zahlungsunfähigkeit müßte Lahm als Gesellschafter mit seinem Privatvermögen einspringen. Es dürfte bei seinen Bezügen im zweistelligen Millionenbereich kein ernstes Problem sein, aber warum tut er sich das an? Ob die Neuausrichtung zur Bio Lifestyle Marke bei Schneekoppe funktioniert steht ohnehin in den Sternen.

danova A GmbH, Erlangen, hat seit dem 29. März 2016 mit Philipp Lahm einen neuen Gesellschafter. Als „unabhängiger Präventionsanbieter“ weist dies Firma in der letzten veröffentlichten Bilanz 2014 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag im Millionenbereich aus.

Billig? Sixtus Werke Schliersee GmbH, Hausham, ist reine Spekulation.

Wie der Fußballprofi generalstabsmäßig seine Zukunft plant“ titelt Finanzen. „PR-Gag oder ernsthaftes Engagement? Diese Frage stellen sich viele.“ Die Schlierseer Zeitung auch!

Die in Lahm-Stellungnahmen oft erwähnte win-win-Situation ist für die Marktgemeinde Schliersee nicht erkennbar. Lediglich der Bürgermeister würde sich auf ein Foto (an der Seite eines Philipp Lahm) bei der Eröffnung einer durch die Kroha ImmoInvest finanzierten neuen Produktionsstätte im Landschaftsschutzgebiet (mit Biotop) direkt am Schliersee freuen – wenn das Bürgerbegehren „Schliersees Schönheit bewahren – keine Produktionsanlagen am See“ am 9. Oktober nicht obsiegt und / oder sich keine weiteren verfahrensrechtlichen Probleme im Bebauungsplanverfahren / Flächennutzungsplan ergeben.