Kommentar zum Flyer „Schliersee & Sixtus“

[kursiv die Aussagen aus dem Sixtus-Werbe-Flyer; nachfolgend jeweils die Stellungnahme der Bürgerinitiative]

 

Gemeinderat und Kreistag haben sich mit deutlicher Mehrheit für Sixtus an dieser Stelle entschieden.

 

Der Kreistag hat seine Zustimmung zur Entnahme vom Votum der Schlierseer Bürger und Bürgerinnen abhängig gemacht. Mittlerweile haben Entnahmen aus dem LSG zu großen Diskussionen im Landkreis geführt, da wir nicht unbegrenzt schöne Landschaft und Grünflächen zur Verfügung haben.

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan und der städtebauliche Vertrag erlauben nur die Verwertung des Grundstücks, die Sixtus plant. Eine andere Nutzung ist ausgeschlossen. 

 

Ein städtebaulicher Vertrag kann keine bestimmte Firmennutzung vorschreiben. Er kann lediglich eine gewerbliche Nutzung festschreiben. Ein gastronomischer Teil und Laden sind schon geplant. Ist die kosmetische Produktion nicht stabil, könnte auch ein anderes Gewerbe die Räumlichkeiten nutzen. Um einen Leerstand zu vermeiden, wird die Gemeinde „Kompromisse“ bei der Gebäudenutzung, wie auch immer die aussehen mögen, eingehen müssen. Auch ein ALDI am See, für den unser Grüner Landrat die Fläche ja bekanntlich nicht aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen hätte, ist dann nicht mehr undenkbar.

 

Sixtus bewahrt das prägende Landschaftsbild. Das neue Ensemble fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. 

Sieht man sich das Modell im Verhältnis zu den bestehenden Wohnhäusern der Gruppenschule an, fällt sehr schnell auf, dass von „harmonisch“ nicht die Rede sein kann. Der Baukörper samt Parkflächen ist definitiv ein einschneidender Eingriff ins Landschaftsbild und wirkt massiv zur Wohnbebauung.

Die Lage des Grundstücks und die von jeher gewerbliche Nutzung sind ideal für die Ansiedlung von Sixtus. 

Gewerblich genutzt wurde bisher nicht einmal die Hälfte der jetzt beanspruchten Fläche (ca. 2.900 m²). Der weitaus größere Teil (ca. 4.100 m²) ist und war immer Grünfläche im Landschaftsschutzgebiet – und zwar mit Biotop. Zudem verarbeitet der produzierende Teil der Firma Rohstoffe, die weder an unseren See noch in ein Landschaftsschutzgebiet gehören. Die von Sixtus gern gewählten Formulierungen des vergrößerten Thermomix und der Manufaktur sollen von Tensiden, Industriealkohol und umwelt-, insbesondere Gewässer gefährdenden Stoffen zur Produktion von Salben, Desinfektionsmitteln, Nagelhautentfernern etc. ablenken. Das zuletzt hier angesiedelte Gewerbe war keine Produktion mit gefährlichen Chemikalien und Rohstoffen.

Das zusätzliche Verkehrsaufkommen durch Sixtus ist gering und vor allem durch die Besucher geprägt. Eine Abbiegespur entlastet den Gesamtverkehr. 

Das Verkehrsaufkommen ist bereits jetzt in den touristisch relevanten Perioden unerträglich. Das zu erwartende zusätzliche Verkehrsaufkommen als gering zu bezeichnen, ist schlicht unseriös. Ein Verkehrsgutachten hierzu liegt bisher nicht vor. Es ist nicht sicher, ob eine Abbiegespur überhaupt realisierbar ist. Auch ist unklar, wer sie zahlen soll. Und gibt es nicht einen ähnlichen Fall ganz in der Nähe, wo wir seit Jahren auf eine Abbiegespur warten? Warum sollte sie Kroha bekommen, wenn Wasi sie nicht bekommt?

Sixtus plant eine nachhaltige Gewerbeansiedlung, schafft damit 30 neue Arbeitsplätze und steigert Steuereinnahmen der Gemeinde. 

Neue Arbeitsplätze? Nach eigener Aussage der Geschäftsleitung werden ausscheidende Arbeitskräfte innerhalb der Produktion nicht nachbesetzt. Was für Arbeitsplätze sollen denn da entstehen? Es gibt keinerlei Information dazu! Sind es am Ende nur Jobs für geringfügig Beschäftige in der Gastronomie? Auch hier bleiben die Angaben schwammig und oberflächlich – wie in den übrigen Punkten.

Steuereinnahmen? Sixtus ist verschuldet, schreibt rote Zahlen und überlebt nur durch Finanzspritzen der Kroha Gruppe. Auch wird Kroha seine Investitionen in Form von Pacht u. ä. auf Sixtus umlegen. Gewerbesteuer wird es folglich auf absehbare Zeit nicht geben, voraussichtlich nie. Im Übrigen haben weder die Holdings, denen Sixtus gehört, noch Kroha ImmoInvest ihren Sitz in Schliersee und somit werden auch sie nie in Schliersee Steuern zahlen.

Sixtus hat ausschließlich die Möglichkeit an diesem Standort zu bauen – alternative Bauplätze für Sixtus in der Gemeinde Schliersee fehlen. 

Die Wiese am See ist nicht der einzig mögliche Standort im Ort. Es ist der einzige von Sixtus gewünschte Standort. Im Kreis Umweltausschuss wurde eine konkrete Alternative vorgestellt. Weitere Alternativen sind denkbar.

 

Franz Kroha ist Unternehmer. Er ist es gewohnt, seine Investitionen verantwortungsbewusst zu planen und zu realisieren. Er ist sich bewusst, dass auch die Interessen der Mitbürger und der Schutz der Umwelt sein unternehmerisches Denken und Handeln bestimmen…

 

Wie verantwortungsbewusst plant und realisiert ein Unternehmer seine Investitionen, wenn damit verbundener Bauschutt schließlich unsachgemäß in unseren Bergwäldern entsorgt wird? So geschehen vor wenigen Jahren nach dem Abriss der alten Sixtus-Werke in der Urtlbachstraße und der dortigen Errichtung hochpreisiger Wohnbebauung, einem Projekt der Kroha ImmoInvest. Übrigens hat auch damals die Gemeinde nicht an der Aufwertung des Gewerbegrundes zu Wohnbebauung partizipiert und der Unternehmer Millionen eingestrichen.

Ein Bewusstsein des Unternehmers für Natur, Ökologie und Nachhaltigkeit bringt auch das neue Projekt nicht zum Ausdruck: ein Unternehmer, der am Ort keine Steuern zahlen wird, aber Natur und Landschaft zerstören und seine giftigen Chemikalien am See deponieren möchte, handelt nicht gewissenhaft.

Ein vertrauenserweckender Investor schließt erstmal ein Projekt ab, bevor er das nächste angeht und lässt eine Immobilie wie das Gasthaus Post nicht jahrelang leer stehen, ohne sich darum zu kümmern. Solange kein ernsthaftes Engagement bei diesem Projekt ersichtlich ist, sollte die Gemeinde keinem weiteren Vorhaben des Investors zustimmen.

Mindestens eine halbe Million Euro würde die Gemeinde durch das Sixtus-Kroha-Projekt verlieren. Einnahmen, die die Gemeinde erzielen würde, wenn sie ihr Grundstück – wie ursprünglich geplant – für Wohnbebauung verkaufen würde. Einnahmen, die Schliersee dringend benötigt, um wichtige Infrastruktur wie z. B. Kindergartenplätze, Wasserleitungsnetz usw. zu finanzieren.

Deshalb:

JA zum Bürgerbegehren gegen Produktionsanlagen im Landschaftsschutzgebiet direkt am See – für den Erhalt des besonderen Landschaftsbildes und des typischen Ortscharakters, eine sozial und umweltverträgliche Entwicklung Schliersees, den soliden Umgang mit öffentlichen Finanzen und die Ansiedlung verantwortungsbewusster Unternehmen an geeigneter Stelle.

Quelle: http://bürger-initiative-schliersee.de/index.php?option=com_content&view=article&id=19