Das Schlierseer Heimatmuseum – amtlich 600 Jahre alt

Das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege hat in einer Pressemitteilung vom 24. Mai amtlich festgestellt, dass das Schlierseer Heimatmuseum rund 600 Jahre alt ist. Das Mittelalter steht also noch heute im Zentrum des Ortes. „Baujahr 1447: Bayerns besterhaltenes Blockhaus steht in Schliersee. Eine dendrochronologische Untersuchung bringt den exakten Nachweis über das Baualter.Die Dendrochronologie ist eine Untersuchungsmethode, die die Jahrringmuster im Holz untersucht. Sie ermöglicht eine aufs Jahr genaue Bestimmung des Fälldatums.

Das so genannte Schredlhaus, in dem sich seit gut 100 Jahren das Schlierseer Heimatmuseum befindet, ist schon lange als bauhistorisch besonderes Gebäude bekannt. Aktuelle Untersuchungsergebnisse weisen nun eindeutig nach, dass es eines der ältesten Häuser am oberbayerischen Alpenrand ist. Die Planungen, das Museum durch einen Anbau zu erweitern, waren der Anlass, das denkmalgeschützte Haus näher zu untersuchen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führte dabei eine dendrochronologische Untersuchung durch. Das Ergebnis zeigt, dass der gesamte erhaltene Wohnteil im 15. Jahrhundert entstanden ist. Gegenwärtig ist kein anderes so gut erhaltenes Blockhaus aus dem ausgehenden Mittelalter in Bayern bekannt. Die Bedeutung dieses Denkmals mit seiner nahezu unverändert erhaltenen Rauchküche kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Das Anwesen besteht aus vier Gebäudeteilen: dem als Wohnteil bestimmten Blockbau im Süden,  einem weiteren Blockbau im Westen, von dem nur noch eine Wand erhalten ist, dem Bruchsteinbau im Norden sowie dem alles überdeckenden Dachwerk.

Verschiedene Proben, die aus den Blockbauwänden entnommen wurden, lassen den Nachweis zu, dass das hier verbaute Holz im Winter 1446/47 gefällt wurde. Bauholz wurde früher unmittelbar nach dem Fällen verbaut, weil eine lange Lagerung und die damit verbundene Austrocknung die Bearbeitung erschwert hätten. Es ist daher davon auszugehen, dass der Blockbau im Jahr 1447 erbaut wurde. Untersuchungen am Steinbau legen nahe, dass dieser zwischen 1410 und 1447 entstanden sein muss. Doch die Bauforscher hoffen noch auf weitere spannende Erkenntnisse: Denn die Westwand des Wohnteils ist noch einmal gut 40 Jahre älter. Das hier verbaute Holz konnte in das Jahr 1406 datiert werden. Dieses Bauteil wäre damit das die älteste bekannte sicher datierte Blockwand in Bayern. Ob es sich hier um Reste eines weiteren Wohnhauses handelt oder ob sich im Mittelalter hier ein Wirtschaftsteil anschloss, müssen künftige Untersuchungen zeigen. Ebenfalls ungeklärt ist noch die ursprüngliche Nutzung des aus Stein erbauten Gebäudeteils. Die Dimension dieser Ergebnisse wird v.a. im Vergleich mit anderen historischen Ereignissen greifbar: Das „Schredlhaus“ stand schon, als der Buchdruck in Europa Einzug hielt, es war schon fast 50 Jahre alt, als Kolumbus Amerika entdeckte. Mit seinem hohen Alter und seinem guten Erhaltungszustand ist dieses Denkmal ein einmaliges Zeugnis für die mittelalterliche Lebenswelt auf dem Lande.“