Kroha Papiere – Sixtus platt zu LebensArt

Das sind ja gute Aussichten: „Die gesamte Seefläche mit dem Umland gilt als Landschaftsschutzgebiet und so sind weite Teile des Schliersees – bis auf das Nordost- Ufer um die Ortschaft Schliersee herum – naturbelassen und traumhaft schön. Der Schliersee ist ein Kleinod. Wer hier seinen Blick schweifen lässt über den See vor der hoch aufragenden Brecherspitze, den Sonnenuntergang betrachtend, der findet zur Ruhe. Am Schliersee wird einem schnell klar, worauf es wirklich ankommt im Leben.“

LebensArt war der hochtrabende Arbeitstitel im Marketing, und die obigen Aussagen waren nur Floskeln für die Vermarktung der früheren Gewerbefläche der alten Sixtus-Werke an der Urtlbachstrasse in Schliersee mit einer „hochwertigen“ Wohnbebauung. Die Gemeinde genehmigte mit dem früheren Gemeinderat die Umwidmung und wollte erstaunlicherweise nicht an der Wertsteigerung partizipieren. Weder wurde eine Abschöpfung der durch die Bauleitplanung ermöglichte Preissteigerung der Bodenpreise angestrebt, noch wurde dem Investor Kroha ImmoInvest GmbH & Co. KG ein (vorhabensbezogener) Bebauungsplan mit konkreten Bauvorgaben aufgetragen. Es waren weiterhin sogar einige erhebliche Abweichungen von der Ortssatzung / Gestaltungssatzung nötig. Angeblich wurde auch zu hoch gebaut, aber dies wurde auf einen Amtsfehler im Landratsamt geschoben. Zumindest ergaben sich so mehr Quadratmeter Wohnraum im Dachgeschoß und der Investor war um den höheren Deckungsbeitrag auch nicht unglücklich.

Bei den erstellten und in drei Wohnhäusern verkauften 21 Wohnungen wurde nach Expertenmeinung vom Bauträger ein Gewinn von mehr als Euro 2 Mio. erzielt. Der Wermutstropfen, die Beseitigung der alten Firmengebäude von Sixtus wurden unsachgemäß gehandhabt und als (unzertifiziertes) Wegebaumaterial oberhalb der Schliersbergalm auf gemeindlichen Grund ohne Kenntnis und Zustimmung der Gemeinde eingebaut. Dies wurde durch Beiträge im Fernsehen auch als „Giftmüll im Bergwald – und alle schauen weg“ bekannt: (http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/kontrovers/giftmuell-bergwald-bauschutt-100.html).

Was bleibt da von der LebensArt? Der Verkaufsprospekt aus dem Jahr 2014 bekommt schon langsam Patina und wenige erinnern sich an die vollmundigen Versprechungen. Und nun versucht eben der gleiche Immobilienspekulant mit der gleichen Firma den nächsten Coup. Billig von der Gemeinde Baugrund abstauben, der nun eigentlich schon Wohnbebauung mit einem rechtskräftigen Bebauungsplan ist und fast eine Million Euro weniger zu zahlen, als dies dem gegenwärtigen Marktwert entspricht. Diese Subvention ist natürlich nicht nur haushaltsrechtlich bedenklich.

Umso erstaunlicher ist jedoch, dass das eingangs zitierte naturbelassene und traumhaft schöne Kleinod Schliersee mit seinem Landschaftsschutzgebiet eben durch diesen Investor zerstückelt und verhässlicht werden könnte. Da ist ein alter Beitrag von Dieter Wieland aus dem Jahr 1975 zum Thema „Unser Dorf soll hässlich werden“ nützlich. Es wäre zu wünschen, wenn sich die öffentliche Meinung eine halbe Stunde Zeit nimmt, um die Auswirkungen eines weiteren Kroha-Bauvorhabens auf dem Biotop im Landschaftsschutzgebiet mit den Auswirkungen für das Kleinod Schliersee überdenken zu können.