Sporthalle in Schliersee / Neuhaus

Die Informationsveranstaltung zur Sporthalle in Neuhaus hat der Bürgermeister kurzfristig aus dem Hut gezaubert. Die Gemeinderäte wurden am 19. Januar in der Sitzung mit der Auslage eines Flyers ohne weiteren Kommentar lediglich in Kenntnis gesetzt. Dementsprechend war die leider nur mässige Beteiligung von Ratsmitgliedern.

Die Sportvereine wurden nach der Flyeraktion unverzüglich informiert, die Öffentlichkeit erst später, jedoch nicht in der gewünschten Breite und Schnelligkeit für eine derartig wichtige Entwicklung im Markt. Unter „Aktuelles aus dem Rathaus“ findet sich übrigens selbst heute noch kein Hinweis auf die gestrige Sporthalleninformation. Es findet sich nur eine Information zu „Thermografischen Spaziergängen“ und die „Aufsichtspflicht in der Jugendarbeit“. Da ist im Rathaus offenbar etwas falsch gelaufen.

Fazit der Veranstaltung: Jeder will eine neue Sporthalle. Nur die Ausgestaltung und der mögliche Ort sind die strittigen Diskussionspunkte. Die von der Verwaltung gut präparierte Veranstaltung zur Sporthalle am 3. Februar im Pfarrsaal in Neuhaus war trotz Teilöffentlichkeit gut besucht, der Saal war voll.

Seit über vier Jahrzehnten geht die Diskussion um eine neue Turnhalle in Schliersee, nun soll es auf Biegen und Brechen eine in Neuhaus werden. Den Beschluss dazu fasste der alte Gemeinderat im Jahr 2011 unter den treibenden Kräften von damals: Frau Grundbacher und Herr Krogoll von der CSU, beide übrigens knapp nicht mehr in den neuen Gemeinderat von 2014 bis 2020 gewählt.

Die Entscheidung zur Standortwahl in Neuhaus hat einen langwierigen – und für die derzeitige Stagnation in der Entwicklung Schliersees folgenreiche – Historie, die in einem späteren Artikel detailliert erläutert wird. Jeder sagt, die Sporthalle gehört natürlich an die Schule. Eine Schulsportturnhalle sicherlich, eine Breitensportturnhalle hat jedoch andere Belegungszeiten und weitere Erfordernisse.

Hier liegt das Problem in der ganzen Geschichte. Der von der Gemeinde in Auftrag gegebene Umweltbericht (Stand: 16.07.2015) belegt dediziert auf der Seite 8: „Schutzgut Orts- und Landschaftsbild – Bestand: Der Bereich der Schule liegt in einem reinen Wohngebiet, welches insgesamt sehr gut durchgrünt ist, jedoch im Bereich der Schule großflächige Versiegelungen das Orts- und Landschaftsbild beeinträchtigen.“

Ebenso wie der seit Jahrzehnten zur Überarbeitung fällige Flächennutzungsplan an den Wänden des Rathauses zeigt, liegt die Schule also in einem reinen Wohngebiet. Hier gelten gesetzlich ganz andere Lärmbelastungen als in dem nun von der Verwaltung kolportierten „Allgemeinen Wohngebiet“. Dieser Ausdruck kam erst mit der Änderung (nach dem Hinweis in Gemeinderatssitzungen) in einem aktualisierten Umweltbericht vom 11.11.2015 in die Dokumentation zur Neuaufstellung des Bebauungsplanes Nr. 42 „Schule und Turnhalle Neuhaus“, der nach Aussagen des Bürgermeisters in der nächsten Gemeinderatssitzung am 23. Februar ab 18:30 beschlossen werden soll.

Der ursprüngliche Umweltbericht vom Juli 2015 ist übrigens identisch mit der aktualisierten Version vom November, lediglich das „Reine Wohngebiet“ wurde in ein „Allgemeines Wohngebiet“ verändert. So steht am 11.11.2015 auf Seite 8: …Der Bereich der Schule liegt laut Flächennutzungsplan in einem allgemeinen Wohngebiet, …“. Da wird nun auch der Verwaltungsrichter seine Stirn runzeln, der am 15. März zu einem Vororttermin kommt, bevor die gerichtliche Entscheidung des Verwaltungsgerichtes im Sommer zu erwarten sein wird.

Nachdem es keine Begründung der Veränderung dieser gesetzlich entscheidenden Beschreibung des Wohngebietes vom Juli zum November gibt und der Bürgermeister auch auf Nachfrage in einer Gemeinderatssitzung dazu keine Stellung nehmen wollte gibt es derzeit also mehr Fragen als Antworten.

Es gibt zwei Entscheidungen, beide folgenreich: das Gericht bestätigt das „Reine Wohngebiet“, dann kann die Gemeinde nur eine Schulsportturnhalle bauen, da der Breitensport durch die Nutzungszeiten so eingeschränkt wäre, dass es für die Vereine nahezu unmöglich wird – und da ist die derzeitige Kostenberechnung von Euro 5,7 Mio. ein wenig happig. Sollte das Gericht das „Allgemeine Wohngebiet“ bestätigen, dann gibt es nach der gestrigen Sitzung mit wahrscheinlich 100%-iger Sicherheit eine Berufung, bei der vor Ende 2017 keine endgültige Entscheidung getroffen werden kann.

Auch Stimmen aus dem Landratsamt Miesbach wurden schon laut, dass mit dem Einspruch und den Eingaben der Bürger in der Auslegung des Bebauungsplanes nun ein anderes Bild gezeichnet wird, als es ohne Widerspruch möglich gewesen wäre – sonst hätte man schon einmal wieder ein Auge zudrücken können.

Nun leiden die Bürger unter dem weiteren Zeitverzug, die sich doch nichts mehr als den baldigen Baubeginn für eine Sporthalle in Schliersee / Neuhaus wünschen. Der Zeitverzug ist den Fehlern der Gemeinde geschuldet, die in der Änderung des geänderten Bebauungsplanes nun eingearbeitet wurden.

Die Informationsveranstaltung war durch Polemik und Kommentare unter der Gürtellinie gespickt, das hätte ein neutraler Bürgermeister so nicht in der Diskussion zum Thema durchgehen lassen dürfen. Es war oft nicht sachbezogen und sehr emotional. Schade. Keine Deeskalation, sondern eine weitere Spaltung der Bürger war das Ergebnis.