Sixtus in Schliersee – vom Anfang bis heute

„Wer Sport treibt, braucht Sixtus“. So war es seit der Gründung 1931 nicht immer. Als ein gewisser Otto Richter in Schliersee das Sixtus Laboratorium zur Produktion von Sixtolin Sonnenbrandöl gründete,

war dies in dieser aufgewühlten Zeit von kurzer Dauer. Denn schon nach nur acht Jahren  – im September 1939 – wurde das Laboratorium von einem Münchner Drogisten, Fritz Becker (nicht nur in der Familie der Patriarch, heute auch noch unter senior bekannt) übernommen. Mit dem Sonnenbrandöl war im Krieg kein Geld zu verdienen, jedoch mit der Versorgung der Füße der deutschen Soldaten. Dies brachte den Aufstieg: „um Muskeln für schwerste körperliche Arbeit und lange Fußmärsche leistungsfähig und geschmeidig zu halten, verwendeten die Bewohner der Alpenregion schon früher Säfte und Auszüge ganz bestimmter Alpenkräuter zur Einreibung.“ Das war die Hochblüte des Sixtuwohl Fußbalsam.

1941 wurde mit dem damaligen wirtschaftlichen Aufschwung während des Krieges ein Sägewerksgelände an der Urtlbachstraße gekauft und dann bezogen 1945 die damals über 100 Mitarbeiter diese neuen Gebäude, die schlußendlich erst vor ein paar Jahren den drei Mehrfamilienhäusern (Urtlbachstr. 3 + 3a + 3b) weichen mußten.

Aus dem früheren Sonnenbrandöl wurde das dann Jahrzehnte erfolgreiche Sixtolin Massage, das neben dem Bestseller Fußbalsam nach dem Ende des 2. Weltkrieges den Eintritt in die Sportwelt ermöglichte. Der damalige Publikumsmagnet Sechstage-Radrennen in München 1949 und die Bereitstellung der Sixtufit Sport- und Massagemittel seit der Olympiade 1952 ermöglichten das weitere Wachstum der Marke Sixtus.

1980 war der nächste Meilenstein in der Sixtus-Chronik: Auf dem ehemaligen Bergwerksgelände in Hausham wurden 2 Hektar Grund gekauft, worauf seit 1983 die damalige und heutige Produktion steht. Produktion in Hausham, Verwaltung, Versand und Haus-Druckerei blieben weiterhin in der Urtlbachstraße in Schliersee.

Ein weiterer Höhepunkt in der Chronik von „Sixtus“ war die Renovierung der Gebäude in Schliersee nach 50 Jahren und die gleichzeitige Kreation des Sixtus Alpen-Triathlon seit 1991.

Nicht zuletzt Querelen in der Familie um das zu verteilende Erbe brachten die bis dato unter der Firmenbezeichnung „Sixtuswerke Fritz Becker GmbH & Co.“ laufende Sixtus am 3. August 2007 zu einer Umfirmierung in die Sixtus Werke Fritz Becker GmbH & Co. KG (HR A 43780).

Mit einer Bilanzsumme von Euro 3,6 Mio. im Jahr 2005 ging es bis zum Jahr 2008 stetig bergab: Bilanzsumme Euro 3,1 Mio, Eigenkapital Euro 189 Tausend und Verlustvortrag von Euro 648 Tausend. Eine Umstrukturierung mit neuem Eigenkapital seit 2009 war auch nur von kurzem Erfolg. Ende 2012 wurde der Sitz von Schliersee nun endgültig in die Produktionsstätte nach Hausham (Industriestraße 8-9) verlegt, um einer neuer Gesellschafterstruktur den Weg zu bereiten.

Die Verbindlichkeiten konnten zwar bis Jahresende 2012 erheblich reduziert werden, aber die verbleibenden Euro 2,4 Mio Schulden erdrückten die Familiengesellschafter: den Drogist Fritz Becker (junior), Apotheker Franz Becker und den Dipl. Kaufmann Anton Becker.

Der Verkauf der Vermögenswerte (im Bankenjargon: asset deal) der alten Sixtus-Werke Fritz Becker GmbH & Co. KG an eine neu gegründete HomKa Beteiligung GmbH (HR B 202 667) zum 1. Januar 2013 setzte ein neues Zeichen.

Die Verbindlichkeiten bei den Becker-Brüdern reduzierten sich um Euro 1,1 Mio. auf verbliebene Bankschulden in Höhe von Euro 1,26 Mio. am Jahresende 2013, bei einer Bilanzsumme von Euro 1,33 Mio. Das bedeutet für eine unbedarften Leser, der Verkauf des Grundstücks Urtlbachstraße, der Marke „Sixtus“ und der weiterveräußerten Vermögenswerte kostete rund Euro 1,1 Mio.

Wie ging es nun seit 2013 weiter? Die HomKa erhielt am 5. Dezember 2012 eine Kapitalerhöhung von Euro 25 Tausend auf Euro 100 Tausend, zog von Rosenheim nach Hausham um und Ernst Homolka war einzelvertretungsberechtigter Geschäftsführer. Hom(ol)Ka – klar!

Nach dem erfolgreichen Kauf der Vermögenswerte (Immobilie in Schliersee, Marke, etc.) der Sixtus alt wurde am 11. März 2013 die Corporate Identity geschaffen: HomKa firmiert in Sixtus Werke Schliersee GmbH um, mit Sitz in Hausham. Gesellschafter an der HomKa / Sixtus neu sind die neu gegründete Kroha Holding GmbH und Herr Homolka.

Die Geschichte geht flott voran: am 18. Juli wird Frau Petra Reindl, ihres Zeichens Vertraute des Herrn Kroha, als Geschäftsführerin bestellt und der Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer Ernst Homolka scheidet aus. Später werden auch die 25 % Sixtus neu-Anteile von Herrn Homolka durch die Kroha Holding GmbH gekauft. Da ist einiges intern passiert.

Was passiert bei den Zahlen? 2012 und 2013 werden die Jahresabschlüsse wegen der geringen Zahlen nur beim Bundesanzeiger hinterlegt. 2014 sind die Zahlen publiziert, was positiv zu beurteilen ist.

Das Eigenkapital der im Aufbau befindlichen Sixtus neu ist negativ: Aus den Euro 118 Tausend nicht durch Eigenkapital gedecktem Fehlbetrag wurden zum Jahresende 2014 Euro 1,613 Mio. Insiderkreise sprechen von weiterem frischem Kapital, was zur Zeit nötig wäre. Die Bilanzsumme in Höhe von Euro 2,917 Mio. am Jahresende 2014 sind vorrangig Verbindlichkeiten in Höhe von Euro 2,7 Mio. Weitere Zahlen lassen sich aus dem Konzernabschluss der Franz Kroha Besitz- und Beteiligung GmbH & Co. KG (Miesbach) herauslesen.

Im Jahresabschluss zum 26. Juni 2015 wurde durch die Sortimentsbereinigung eine erhebliche einmalige Aufwendung am 14. Juli 2015 festgestellt. Dies wird sich also in der laufenden Bilanz des Jahres 2015 weiter erheblich negativ bemerkbar machen.

Doch schon hat sich wieder Neues bei der Sixtus neu ergeben: „Philipp Lahm ist seit Anfang 2015 Gesellschafter des Sportprodukte-Herstellers Sixtus“. Konkret bedeutet dies: der manchen bekannte Fußballer hat über seine am 28. April diesen Jahres neu eingetragene „Philipp Lahm Holding GmbH, Hausham“ mit dem Mitgesellschafter und Geschäftsführer Roman Grill ganze Euro 25 Tausend Eigenkapital eingebracht. Die Geschäftsanschrift dieser neuen Gesellschaft, die zu 50% die Anteile an der Sixtus Werke Schliersee GmbH hält, ist nun seit November auch in der Rainer Straße in Hausham und nicht mehr in München. Heimat verbindet.

Die Kroha Holding GmbH hat also zum September 2015 die Hälfte ihrer Sixtus-Gesellschaftsanteile an Herrn Lahm und seinen Manager weiterverkauft.

Was bleibt nun als Zusammenfassung festzuhalten: Die 84 Jahre Unternehmensgeschichte ist in mehrere Bausteine aufzubrechen. Herr Richter, Herr Becker senior, die Becker Brüder, Herr Homolka, Herrn Kroha und nun auch noch Herr Lahm. Wie wird es weitergehen?

Wie sich die weitere Entwicklung mit einer möglichen Erweiterung des Firmenkonstruktes bei einem Umzug nach Schliersee – auf eine landwirtschaftlich genutzte Flächen im Außenbereich direkt am See unter einer möglichen Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet – darstellt, das werden wir in der nächsten Woche berichten.